Aus: Ausgabe vom 12.09.2018, Seite 11 / Feuilleton

Fremdenhass

Von Wiglaf Droste

Der Protz, der pumpend Hanteln stemmt:

Er ist mir fremd.

Muss ich ihn hassen?

Der Sandalettenfredie da im Unterhemd:

Er ist mir fremd.

Muss ich ihn hassen?

Der Allesfresser, reichlich aufgeschwemmt:

Er ist mir fremd.

Muss ich ihn hassen?

Der Eitling, der den breiten Scheitel kämmt:

Er ist mir fremd.

Muss ich ihn hassen?

Der Heuler, der stets barmt und memmt:

Er ist mir fremd.

Muss ich ihn hassen?

Der Pfarrer, frömmelnd und gehemmt:

Er ist mir fremd.

Muss ich ihn hassen?

Der Koranist, der jede Lebensfreude dämmt:

Er ist mir fremd.

Muss ich ihn hassen?

*

Ich könnte, doch ich kann’s auch lassen.

Für mich muss kein Hasso fassen.

Das ist, wie die Wahl der Kleidung,

meine Entscheidung.

*

Was belästigt, ist persönliche Beleidigung?

Und Hassen dient der Selbstverteidigung?

Stellt euch unter die Kopfkühlbrause

Und macht mal Hass-Mittagspause.

*

Danach könnt ihr den Aufsichtsrat,

so aufwandsschwer zu fassen,

mit Wollust, Wut und mannskerlhart

von Herzen und nach Kräften hassen.

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