Aus: Ausgabe vom 11.09.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Terrorversteher

Weltspiegel | So., 19.20 Uhr, ARD

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Unterstützung für Ortega: Ein Anhänger der Sandinisten nimmt an einer Demonstration für den nicaraguanischen Staatschef Daniel Ortega in Managua teil (8.9.2018)

Es ist zynisch, wie die ARD versucht, sich zur Verteidigerin der Werte der sandinistischen Revolution aufzuschwingen. Beim »Weltspiegel« am Sonntag wird Position bezogen: auf seiten der Reaktionäre, die mit Straßenblockaden und gewaltsamen Aktionen die nicaraguanische Regierung von Daniel Ortega stürzen wollen. Ein Pfarrer kommt ebenso zu Wort wie Studenten, die – so heißt es in dem Beitrag – sich verstecken müssten. Auch eine Anhängerin der Sandinisten wird befragt. Ausgeblendet wird indes der Kontext, in dem der Umsturzversuch stattfand: ein von den USA orches­trierter Rechtsruck in Südamerika, um die progressiven Regierungen zu beseitigen. Dafür sind alle Mittel recht – ein Wirtschaftskrieg gegen Venezuela, ein institutioneller Putsch in Brasilien oder terroristische Straßengewalt in Nicaragua. Ein Aufruf für »Frieden«, wie ihn die ARD propagiert, ist eine Parteinahme für den Regime-Change. Die sandinistische Aktivistin Karen hat recht: »Mit Terroristen redet man nicht.« (rz)


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