Aus: Ausgabe vom 10.09.2018, Seite 15 / Politisches Buch

Neu erschienen

Graswurzelrevolution

Andreas Kemper hat sich das im Juli herausgekommene Buch, in dem der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke seine Sicht auf die Welt ausbreitet, angesehen. Er findet darin den »Gesamteindruck einer faschistischen Agenda« Höckes bestätigt. Der gehe von einem »Verfassungskreislauf« aus; aktuell befinde man sich »im letzten Degenerationsstadium« der Demokratie, auf das ein System autoritärer Herrschaft, womöglich mit einem »alleinigen Inhaber der Staatsmacht«, folgen werde. Die Verantwortung für dessen »außergewöhnliche« Maßnahmen trügen die ehemaligen »demokratischen« Machthaber: »Die Ankündigung von Grausamkeit«, so Kemper über Höckes »höhnische Gewaltbereitschaft«, »wird mit der vollständigen Verneinung der Verantwortung für das eigene unmoralische Handeln verbunden«. Bernd Drücke rekapituliert die »ziemlich verschroben, ignorant oder eher promilitaristisch« geführte Debatte über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in der Zeitschrift Jungle World: »Wir leben in finsteren Zeiten, in denen offenbar auch viele ›Linke‹ nach ganz rechts wandern.« Peter Nowak empfiehlt radikalen Linken die aktive Gewerkschaftsarbeit und rät von perspektivloser »Straßenmilitanz«, dem »Ausflippen im Kapitalismus«, ab. Der Widerstand von Lohnabhängigen sei »wirkungsvoller gegen den Kapitalismus als eine Riotnacht, auf die im realen Kapitalismus unvermeidlich der Kater folgt«. (jW)

Graswurzelrevolution, Jg. 47/Nr. 431, 24 Seiten, 3,80 Euro, Bezug: Verlag Graswurzel­revolution e. V., Vaubanallee 2, 79100 Freiburg, E-Mail: abo@graswurzel.net

Mitteilungen

Die Zeitschrift der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke (KPF) enthält den ersten Teil eines Briefes von Erika Buchmann, die Gefangene im KZ Ravensbrück gewesen war, über den Alltag in diesem faschistischen Lager. Anton Latzo erinnert daran, dass Heinrich Himmler vor 75 Jahren die Strategie der »verbrannten Erde« verkündete. Reiner Zilkenat befasst sich mit dem Münchner Abkommen von 1938 als Teil der Vorgeschichte des zweiten Weltkrieges. Jürgen Herold schreibt unter dem Titel »Die Lebensmaxime Richard Sorges« über den Kundschafter, der am 29. September 1943 in Japan zum Tode verurteilt wurde. Dokumentiert werden die Erklärung des Marxistischen Forums zur Sammlungsbewegung »Aufstehen« sowie Aussagen der KPF dazu. (jW)

Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke, Nr. 343/September 2018, 38 Seiten, Spendenempfehlung 1 Euro plus Porto, Bezug: KPF, Kleine Alexanderstr. 28, 10178 Berlin, E-Mail: kpf@die-linke.de

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