Aus: Ausgabe vom 16.08.2018, Seite 1 / Kapital & Arbeit

NATO-Partner weiter im Clinch

Türkei reagiert mit Zöllen auf US-Sanktionen und setzt auf EU-Beistand. US-Pastor bleibt in Arrest

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Krise zwischen USA und Türkei schwelt weiter: Pfarrer Andrew Bronson (2. v. r.) bleibt unter Hausarrest

Im Konflikt zwischen den USA und der Türkei geht es weiter Schlag auf Schlag: Nach erhöhten US-Zöllen auf Stahl und Aluminium aus dem verbündetem NATO-Staat hat Ankara nun Sanktionen gegen die Vereinigten Staaten verhängt. Das heizt die Auseinandersetzung weiter an und dürfte auch der Stabilität der türkischen Landeswährung nicht zuträglich sein.

Eine am Mittwoch im offiziellen Staatsanzeiger veröffentlichte Liste beinhaltete 22 zusätzliche Zölle. Demnach stiegen etwa die Einführungsgebühren für US-Autos, alkoholische Getränke, für kosmetische Produkte, Tabak, Papier und Reis aus den Vereinigten Staaten. Am Vortag hatte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan angekündigt, elektronische Produkte aus den USA boykottieren zu wollen. Derartiges fand sich auf der Liste aber nicht.

Anlass des Streits ist das Schicksal des in der Türkei wegen Terrorvorwürfen festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson. Die USA fordern seine sofortige Freilassung. Als Reaktion auf mangelnde Fortschritte in den Verhandlungen hatte US-Präsident Donald Trump am Freitag besagte Zölle auf Stahl und Aluminium erhöht. Am Mittwoch meldete die Nachrichtenagentur DHA, dass der Pastor weiter unter Hausarrest stehen müsse. Ein Berufungsgericht in Izmir habe den Antrag auf Freilassung, den Brunsons Anwalt am Vortag gestellt hatte, abgelehnt.

Der Außenwertverfall der seit Monaten schwächelnden Türkischen Lira hatte sich am Freitag und am Montag beschleunigt. Am Dienstag und Mittwoch konnte der Abwärtstrend zunächst gestoppt werden. Jetzt versuchen die Machthaber in Ankara eifrig, ihr sich seit Jahren verschlechterndes Verhältnis zur EU aufzubessern. Finanzminister Berat Albayrak machte »Europa« zum Verbündeten und betonte in einer Rede in Ankara, dass eine Vertiefung der Beziehungen die beste Antwort auf die Bedrohung durch die USA sei. Dabei erwähnte er Äußerungen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Diese hätten gezeigt, wie »unfair und böswillig« es sei, was der Türkei widerfahre. (dpa/jW)

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