Aus: Ausgabe vom 13.08.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Schmerzensgeld in Millionenhöhe

Signalurteil gegen Monsanto: US-Gericht geht davon aus, dass Glyphosat Krebs verursacht

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Unheilbar krank: Kläger Dewayne Johnson am 9. Juli vor Gericht in San Francisco

Ein US-Gericht hat den Agrarkonzern Monsanto zur Zahlung von fast 290 Millionen Dollar (254 Millionen Euro) Schmerzensgeld verurteilt – mit der Begründung, seine glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel hätten Krebs verursacht. Die Mittel hätten »wesentlich« zur Krebserkrankung des ehemaligen Hausmeisters Dewayne Johnson beigetragen, befand das Geschworenengericht am Freitag (Ortszeit) in San Francisco. Johnson ist unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und macht die Herbizide von Monsanto dafür verantwortlich. Die Geschworenenjury begründete das Urteil mit dem Versäumnis von Monsanto, den Kunden vor dem Krebsrisiko bei Anwenung des Unkrautvernichtungsmittels zu warnen. Sie stufte dies als »Heimtücke« ein. Der 46jährige Kläger hatte die Mittel als Hausmeister einer Schule im kalifornischen Benicia über Jahre hinweg verwendet. Im Zentrum des Verfahrens stand die Frage, ob die in den Unkrautvernichtungsmitteln »Roundup« und »Ranger Pro« enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat. Monsanto, das seit Juni zum Bayer-Konzern gehört, bestreitet dies und kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an. Die Produkte hätten »eine 40jährige Geschichte der sicheren Anwendung« und seien weiterhin ein »wichtiges, wirksames und sicheres Mittel«, behauptete das Unternehmen.

Die Geschworenen hätten »eine falsche Entscheidung getroffen«, sagte Monsanto-Vizepräsident Scott Partridge. Monsanto empfinde zwar Mitgefühl für Johnson und seine Familie. Das Urteil ändere aber »nicht die wissenschaftlichen Befunde«, die Glyphosat als harmlos beurteilten. Auch ein Sprecher des Bayer-Konzerns betonte am Samstag, es bestehe »kein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und dem Non-Hodg­kin-Lymphom«, an dem Johnson leidet.

Die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte dagegen vor drei Jahren konstatiert, dass Glyphosat »wahrscheinlich krebserregend bei Menschen« sei. Dieser Befund hatte maßgeblichen Einfluss auf die Urteilsfindung in San Francisco. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland waren jedoch zu dem Schluss gelangt, dass keine Krebsgefahr von dem Herbizid ausgehe.

Einen Bundesrichter in San Francisco überzeugt das nicht: Er hat im vergangenen Monat mehr als 400 weitere Klagen wegen der möglichen krebsauslösenden Wirkung von Glyphosat zugelassen. Für diese Verfahren könnte das Urteil vom Freitag Signalwirkung haben. Kläger Johnson nahm das Urteil mit Tränen und Erleichterung auf. »Hier geht es nicht nur um mich«, sagte er. »Diese Sache wird nun hoffentlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient.« (AFP/jW)

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