Aus: Ausgabe vom 23.07.2018, Seite 16 / Sport

Nicht nur in Vegas

Wetten auf Sportereignisse sind nun auch anderswo in den USA legal

Von Rouven Ahl
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Ein Milliardengeschäft, jetzt legal: Spieler in einer Wettbar in Oceanport, New Jersey

Die Stadt Las Vegas ist einer der großen Touristenmagneten der USA – was wohl vor allem mit dem vielfältigen Glücksspielangebot zusammenhängt. Ein Alleinstellungsmerkmal hat Las Vegas bzw. der US-Bundestaat Nevada jetzt aber verloren: Das legale Wetten auf Sportereignisse. Lediglich Wetten auf Tierrennen, z. B. Pferderennen, waren auch anderswo erlaubt.

Das höchste Gericht der USA, der Supreme Court, hatte Mitte Mai das seit 1992 geltende Verbot von Sportwetten aufgehoben. Nevada war der einzige Bundesstaat, den die alte Regelung ohnehin nicht betraf. In dem Urteil heißt es nun: »Der US-Kongress kann Sportwetten direkt regulieren. Wenn er sich dafür entscheidet, dies nicht zu tun, sind die Bundesstaaten frei, ihre eigenen Gesetze zu erlassen.«

Vor allem der Bundesstaat New Jersey wollte in der Vergangenheit immer wieder Sportwetten legalisieren. Auch Delaware gehörte zu den ersten Staaten, die nach der Entscheidung des Supreme Courts entsprechende Gesetze verabschiedeten. Der Gouverneur des Ostküstenstaates, John Carney, plazierte Anfang Juni die erste legale Wette in einem Wettbüro.

Viele US-Amerikaner werden es ihm nun vermutlich gleichtun. Laut dem American-Football-Magazin Touchdown24 hat die Analysefirma Eilers & Krejcik errechnet, dass allein das kleine Delaware mit einem Zuwachs an Steuereinnahmen zwischen 23 und 49 Millionen US-Dollar rechnen kann. Was klar macht, warum viele Staaten so vehement für eine Legalisierung von Sportwetten eintraten. Die waren allerdings schon zuvor ein Milliardengeschäft. Viele US-Amerikaner fanden Mittel und Wege, Wetten auf dem Schwarzmarkt zu plazieren – etwa über Offshore-Firmen oder illegale Buchmacher.

Während sich die großen Profi- und Collegeligen (NBA, MLB, NFL, NHL und NCAA) offiziell für die Beibehaltung der bisherigen Gesetze aussprachen, weil sie mehr Manipulationen befürchten, schienen inoffiziell zumindest die NBA (Basketball) und die MLB (Baseball) einer Legalisierung nicht abgeneigt.

Denn die erwarteten Einnahmesteigerungen sind natürlich auch für die US-amerikanische Sportwelt verlockend. Der Besitzer des Basketballteams Dallas Mavericks, Mark Cuban, vermutet, dass sich der Wert der einzelnen Sport-Unternehmen durch die Legalisierung von Sportwetten gar verdoppeln könnte.

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