Aus: Ausgabe vom 20.07.2018, Seite 2 / Inland

Ungleichheit mit Folgen

Studie: »Wohlstand« in der BRD liegt nur auf Niveau der 1990er Jahre

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Der »Wohlstand der Nation« ist im Kapitalismus in der Regel der Reichtum von Wenigen

Um den »Wohlstand der Nation« ist es offenbar nicht gut bestellt. Der sogenannte Nationale Wohlfahrtsindex (NWI) – ein alternativer Indikator zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) – stagniert laut einer am Donnerstag vorgestellten Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böck­ler-Stiftung auf dem Niveau der 1990er Jahre. Hauptgrund hierfür sei der fortwirkende, deutliche Anstieg der Einkommensungleichheit, so die Forscher.

In die Berechnung des NWI fließt vor allem die Entwicklung der privaten Konsumausgaben verstärkt mit ein. Zu diesen werden dann noch »wohlfahrtssteigernde« Faktoren wie etwa »unbezahlte gesellschaftliche Arbeit« (Ehrenamt, Hausarbeit) hinzugezählt und »wohlfahrtsmindernde« Komponenten wie Umweltschäden oder lange Arbeitswege abgezogen. Stärker als beim BIP werden so neben den ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt.

Den Angaben zufolge ist der NWI zwar im Jahr 2016 zum dritten Mal in Folge gestiegen. Im Langzeitvergleich für den Zeitraum 1991 bis 2016 hinke der durchschnittliche Wohlstand in der BRD dem im BIP ausgedrückten Wirtschaftswachstum jedoch deutlich hinterher, stellen die Forscher fest. Die Steigerung der letzten drei Jahre führe »bisher lediglich auf das Niveau von 1995/1996 zurück«. Vor allem in den 2000er Jahren habe es einen deutlichen Anstieg der Einkommensungleichheit gegeben: »Damals stagnierten die Reallöhne vieler Beschäftigter, während Kapital- und Unternehmenseinkommen stark zunahmen.« Auch die »spürbaren« Reallohnsteigerungen der letzten Jahre hätten daran nicht viel geändert. Da zeitgleich auch die Kapital- und Vermögenseinkommen kräftig zugelegt hätten, sei die Einkommensungleichheit kaum zurückgegangen.

Die Erkenntnisse der IMK-Studie decken sich mit den Ergebnissen einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) von Ende Mai. Die Ökonomen hatten ebenfalls festgestellt, das ein Anstieg des BIP bei weitem nicht bei allen ankommt. Nach den DIW-Daten sind die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte zwischen 1991 und 2015 im Schnitt um 15 Prozent gestiegen. Ausgerechnet die untersten Einkommensgruppen hatten von dieser Entwicklung allerdings so gut wie nichts. (dpa/jW)

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