Aus: Ausgabe vom 18.07.2018, Seite 16 / Sport

Das Versprechen

Luka Doncic gilt als das größte europäische Basketballtalent aller Zeiten. Nun spielt er in der NBA

Von Rouven Ahl
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Das Supertalent: Luka Doncic (r.), 2015 beim 70:84 von Real Madrid gegen Chimki Moskau in der Euroleague (in Moskau)

Wie gut ist Luka Doncic? Das wollten die Manager, Trainer und Klubbesitzer der NBA gerne wissen, bevor es im Juni zum Draft kam, zur alljährlichen Verteilung der besten Talente auf die einzelnen Teams. Kann der 19jährige seine beeindruckenden Leistungen in Europa für Real Madrid auch auf das Spielniveau der besten Basketballiga der Welt übertragen?

Die Dallas Mavericks sind jedenfalls von den Qualitäten des Slowenen überzeugt. Geboren 1999 in Ljubljana, spielte er schon als 13jähriger in den Nachwuchsmannschaften der »Blancos« aus Spaniens Hauptstadt, mit 16 bestritt er sein erstes Match in der Profiliga, als drittjüngster Spieler in der Geschichte. Für Real ist er gar der jüngste Spieler, der jemals die Basketballsneakers für die erste Mannschaft schnürte.

Seine ersten Gehversuche auf dem Basketballfeld machte Doncic in Ljubljana bei KK Union Olimpija. Sein Talent wurde ihm dabei sozusagen in die Wiege gelegt, ist sein Vater doch der ehemalige Basketballprofi und Nationalspieler Sasa Doncic. Was diesem mit dem slowenischen Team jedoch verwehrt blieb, das schaffte sein Sohn Luka 2017, als er sein Land an der Seite von Superstar Goran Dragic zur Europameisterschaft führte.

Die Mavericks suchen solch ein Supertalent, ansonsten wären sie wohl nicht das Wagnis eingegangen, sich durch eine Vereinbarung mit den Atlanta Hawks am Draft-Abend von dem ihnen zugeteilten Platz fünf auf Platz drei hochzuschieben. Diese Deals sind nämlich nicht umsonst: Die Mavericks geben für Doncic ihr Wahlrecht im kommenden Draft an die Hawks ab. Und aus Sicht vieler Experten gelten sie damit als einer der großen Gewinner dieses Drafts. Denn Doncic gilt als das größte Basketballtalent, das Europa jemals hervorgebracht hat.

Trotzdem wurde er im Draft nicht an erster Stelle gewählt, sondern auf Platz drei. Kritiker bemängeln seine fehlende Athletik, während wiederum andere die Pass- und Reboundqualitäten des Point Guards hervorheben. Hinzu kommt, dass Doncic mit über zwei Metern zwar recht groß für die Position des Spielmachers ist, dabei jedoch über herausragende technische Fertigkeiten verfügt.

Die Mavericks sehen Doncic daher als das künftige Gesicht des Franchise, des Basketballgeschäfts – und damit als direkten Nachfolger von Dirk Nowitzki, einem weiteren Europäer, der in den USA zum Superstar wurde. Mit 31.000 erzielten Punkten gehört der gebürtige Würzburger zu den sechs besten Korbjägern der NBA-Geschichte und gilt nun im Spätherbst seiner Karriere als idealer Lehrmeister für den NBA-Azubi Doncic.

Ob Dallas mit dem Slowenen an die großen Zeiten von 2006 bis 2011 anknüpfen kann, als Nowitzki die Mavericks in zwei Finals und zu einem Titel führte, ist natürlich schwer vorauszusehen. Dank des spektakulären Spielstils von Doncic werden die Mavericks aber Ende Oktober, wenn die neue NBA-Saison beginnt, zumindest wieder zu einem echten Hingucker für Basketballfans werden.

Dass Doncic aber in der Lage ist, eine Mannschaft zu Titeln zu führen, hat er in der letzten Saison bewiesen: Mit Real Madrid gewann Doncic die Euroleague, den wichtigsten europäischen Klubwettbewerb. Dabei wurde er zum wertvollsten Spieler gekürt. Eine Auszeichnung, die er auch für seine Leistungen in der spanischen Liga erhielt, wo er mit Real die Meisterschaft holte. Ist Doncic wirklich der beste Europäer, der jemals in der NBA anfing? Wie die Zeitschrift Five schrieb, ist er zumindest der »bereiteste«.

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