Aus: Ausgabe vom 18.07.2018, Seite 10 / Feuilleton

Waalkes, Fallada

Von Jegor Jublimov
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Was für ein Werk, was für ein Leben! Der Schriftsteller Hans Fallada (1893–1947)

Ein Foto in der Gaststätte »Metzer Eck« im Berliner Kollwitz-Viertel erinnert daran, wie Otto Waalkes 1986 Ostberlin aufmischte. Sein erstes Kinowerk »Otto – der Film« hatte im »International« Premiere, und anschließend wurde im »Metzer Eck« gefeiert. Das »Kulturmagazin« des DDR-Fernsehens nahm das zum Anlass für ein Interview. In der so seriösen Sendung stellte der Redakteur nur ernsthafte Fragen, die Otto völlig grotesk mit Redensarten und seinen bekannten Lautmalereien parierte. So war er eben. Dass er nicht ernsthaft sein konnte, gehörte zu seinem Image. Damals sagte er Sätze wie: »Über mein Leben sind so viele Halbwahrheiten verbreitet worden, dass ich endlich einmal die volle Unwahrheit berichten möchte!«

Inzwischen hat er sich geändert, und über den berühmtesten Ostfriesen, der in diesem Jahr Ehrenbürger seiner Heimatstadt Emden wird, ist das meiste bekannt. In seiner Hamburger Wohngemeinschaft mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen sang der Kunststudent Otto so witzige Lieder zur Gitarre, dass sie ihn zum Zuverdienen in einen Klub schoben. Neben Eigenem griff er Texte von Heinz Erhardt und Robert Gernhardt auf, der dann für längere Zeit Ottos Gagschreiber wurde. Otto eroberte sich den Plattenmarkt mit Sketchen und bekam eine Personality-Show in der ARD. Ergebnis seines Kunststudiums waren die Ottifanten, die er nach und nach zur Comicreihe entwickelte. Spätestens mit seinen Filmen erlangte er zeitweilig den Status des beliebtesten deutschen Blödelkomikers mit Hintersinn. Mit Gernhardts Tod ließ Waalkes’ Kreativität nach, doch wenn er am Sonntag 70 wird, kann er nichtsdestotrotz auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken.

Ein erfolgreiches Werk hat auch Hans Fallada geschaffen – noch heute, mehr als 70 Jahre nach seinem Tod, landen Neuauflagen seiner Romane in den Bestsellerlisten und werden verfilmt. Aber auch ein erfolgreiches Leben? Am Sonnabend vor 125 Jahren kam er als Sohn einer Juristenfamilie in Greifswald zur Welt. Er war ein unangepasster junger Mann, der in Pflege gegeben wurde, bei einem Doppelselbstmordversuch den Tod eines Freundes verursachte, Drogen nahm und dafür Unterschlagungen beging, die ihn ins Gefängnis brachten. Immer aber schrieb er wie besessen, und nach dem Welterfolg seines Romans »Kleiner Mann – was nun?« (1932) begannen seine besten Jahre mit der Familie in Carwitz. Für seine Kinder schrieb er die phantasievollen »Geschichten aus der Murkelei«, die danach schreien, als Animationsfilme umgesetzt zu werden. Über den Rückfall in die Sucht und die Trennung der Familie hat Roland Gräf 1987 den erschütternden DEFA-Film »Fallada – letztes Kapitel« mit Jörg Gudzuhn gedreht.

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