Aus: Ausgabe vom 17.07.2018, Seite 14 / Feuilleton

Hölderlin und Abschiebung

Von Rafik Will
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Was passiert, wenn ein Rapper im Deutschtest für Zuwanderer den Dichter Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770–1843, Foto) als Thema wählt?

Bewusstseinsverändernde Substanzen werden in der Psychotherapie massenweise eingesetzt. Halluzinogene wie LSD und viele andere Substanzen spielen heute in der medizinischen Praxis offiziell allerdings keine Rolle mehr. Dorothea Brummerloh beschäftigt sich in  »Psycholyse – Drogensumpf versus Psychotherapie« (DLF 2018; Ursendung Di., 19.15 Uhr, DLF) mit dem Potential und den Gefahren psychoaktiver Substanzen in der Psychotherapie. Alice Elstner, Andra Joeckle, Frauke Schmidt und Wibke Starck bearbeiten in ihrem Hörspiel »Menschen an Apparaten« (DKultur 2008; Mi., 0.05 Uhr, DKultur) dann das titelgebende Thema. Es geht um Dialyse, Zahnarztbohrer, Kameraüberwachungssysteme und Videospiele.

Den Ozean und seine Bewohner bringen Ulrike Haage und Mark Ravenhill in ihrer gemeinsamen Minioper »Rete Mirabile – Wundernetz« (SWR/DKultur/Museum für Naturkunde Berlin 2018; Fr., 0 Uhr, DKultur) zum Klingen. Haage hat sich für ihre Komposition unter anderem von der Nasssammlung des Naturkundemuseums Berlin inspirieren lassen. Sie widmet den präparierten und in Alkohol ausgestellten Lebewesen aber keinen Klagegesang zum Thema Artensterben, sondern versucht, ihre frühere Lebendigkeit nachzuvollziehen.

Einen historischen Ort besuchen David Zane Mairowitz und Malgorzata Zerwe in ihrem Feature »Die unbegrabenen Schuhe von Stutthof« (DLF 2018; Ursendung Fr., 20.10 Uhr, DLF). Sie porträtieren Grzegorz Kwiatkowski von der psychedelischen Band Trupa Trupa. Sein Großvater war einer von etwa 11.000 Gefangenen im KZ Stutthof in der Nähe von Gdansk. Der Musiker kämpft um eine Erweiterung der Ausstellung in der Gedenkstätte.

Der Hörspielregisseur Klaus Buhlert hat sich in »Hölderlin. Geschichte einer Abschiebung« (BR 2018; Ursendung Fr., 21 Uhr, Bayern 2) die Frage gestellt, was passieren könnte, wenn ein Rapper im Deutschtest für Zuwanderer das Thema Hölderlin wählt. Jasmin Khalifa und Farhad ­Payar blicken auf die Preisträgerin des Friedensnobelpreises vor 15 Jahren:  »Shirin Ebadi« (RBB 2013; Sa., 9 Uhr, RBB-Kulturradio und MDR Kultur).

Auswanderer aus dem Ruhrgebiet und Tirol, die sich aufmachen, in Peru ihr Glück zu finden – dieser Glücksritterstory, die vor anderthalb Jahrhunderten ihren Anfang nahm, schenkt Jens Jarisch in »Der störrische Traum vom Paradies: Die Geschichte des Urwalddorfes Pozuzo« (RBB/NDR/ORF 2005; Sa., 9 Uhr, ORF Ö1) seine ganze Aufmerksamkeit. Um die Frage, welche Auswirkungen ein »Brexit« auf den fragilen Frieden in Nordirland haben könnte, dreht sich das brandneue Feature von Till Ottlitz »Neue Grenzen, neue Gräben« (BR 2018; Ursendung Sa., 13 Uhr und Wdh. So., 21 Uhr, Bayern 2). Um mit zwei Freunden eine App zu Nebenwirkungen von Medikamenten finanzieren zu können, wird jemand Medikamententester in Friedemann Schulz’ »Trinity« (WDR 2011; Sa., 19 Uhr, WDR 3 und So., 17 Uhr, WDR 5).

Hörspielursendungen bieten der Deutschlandfunk mit Georg Kleins  »Bloß keine Angst. Ein Glücksspiel« (DLF 2018; Sa., 20 Uhr, DLF) und der Hessische Rundfunk mit Francis Ponges »Das Notizbuch vom Kiefernwald« (HR 2018; So., 14 Uhr, HR2 Kultur). Hörspiele über verschrobene Eigenbrötler findet man in Ingeborg Lüschers und Peter Moritz Pickshaus’ »Auressio« (BR 2010; So., 15 Uhr und Mo., 20 Uhr, Bayern 2) und Hermann Bohlens  »Schweine-Heinz« (DKultur 2017; So., 17 Uhr, SRF2 Kultur). Und danach ist Kubrick-Time mit zwei Features von Rainer Praeto­rius,  »Von Evolution und Ewigkeit – 50 Jahre ›2001: Odyssee im Weltraum‹« (DLF 2018; Ursendung So., 20 Uhr, DLF) und »Stanley Kubrick – ein Leben für den Film« (WDR 2013; So., 11 Uhr, NDR Info).

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