Aus: Ausgabe vom 13.07.2018, Seite 15 / Feminismus

Let’s talk about Sex

Die Wiener an.schläge widmen sich in der aktuellen Ausgabe selbstbestimmter weiblicher Lust

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Eine Forderung, seit Jahrzehnten erhoben. Gerade junge Frauen richten sich aber noch immer oder sogar wieder häufiger nach den Bedürfnissen der Männer und trauen sich nicht, über eigene Bedürfnisse zu sprechen

Alle sagen »Me too«, reden über Erfahrungen mit männlicher Übergriffigkeit in der Arbeitswelt. Was dagegen zu kurz komme, findet die Redaktion des feministischen Magazins an.schläge, das sei das »Ringen um sexuelle Selbstbestimmung«. Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe unter dem Titel »SEX.X« ist unter anderem der Frage gewidmet, warum viele Mädchen und Frauen sich noch immer vor allem darum Sorgen machten, ob sie »gut im Bett« seien, und sich nicht etwa darum kümmerten, dass sie selbst sich im Bett gut fühlten. Das jedenfalls konstatiert die Sexualpädagogin Gabriele Rothuber im Gespräch mit Lea Susemichel.

Brigitte Theißl fragt in ihrem Leitartikel, warum sich »auch fünfzig Jahre nach der vermeintlichen sexuellen Revolution beim Hetero-Sex noch immer alles um den im Mainstreamporno gefeierten männlichen Höhepunkt« drehe. Dass dies keine bloße Behauptung ist, belegt sie mit den Ergebnissen einer quantitativen US-Studie, veröffentlicht 2017 in der Fachzeitschrift Archives of Sexual Behavior. 95 Prozent der befragten Männer gaben an, beim Sex zum Orgasmus zu kommen. Bei den lesbischen Frauen waren es immerhin 86 Prozent, bei den heterosexuellen dagegen lediglich 65 Prozent.

Sexualpädagogin Rothuber spricht im Interview auch über die antifeministische Bewegung, die in den letzten Jahren den Kampf gegen die angebliche »Frühsexualisierung« von Kindern durch neue Aufklärungskonzepte als neues Betätigungsfeld für sich entdeckt hat. »Besorgte Eltern« lehnen dabei insbesondere die Unterrichtung ihres Nachwuchses über verschiedene Formen der Sexualität ab. Rothuber hält dagegen, zu Traumatisierung komme es ganz sicher nicht durch eine »sensible, altersadäquate, spielerische Aufklärung«, sondern eher durch die frühe Konfrontation mit Pornographie durch die Nutzung von Smartphone und Co. Aufgeklärte Kinder seien zudem besser vor sexuellem Missbrauch geschützt, »weil sie wissen, wo Sex ›hingehört‹ – nämlich zu großen Jugendlichen oder Erwachsenen, wenn die das wollen«. Mit solchen Argumenten habe man »Eltern meist im Boot«, berichtet die Pädagogin.

Weiter will das an.schläge-Team mit dem neuen Heft Lust machen auf »viele verschiedene queerfeministische Spielarten gelebter Sexualität, von antirassistischem BDSM (Abkürzung für Bondage/Discipline, Sadismus/Masochismus; jW) bis hin zu Tantra und lesbischer Sexarbeit«. (jW)

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