Aus: Ausgabe vom 13.07.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Milliardenwette auf sinkende Kurse

US-Hedgefonds haben es auf Deutsche Bank und Commerzbank abgesehen

RTS1EV0Q.jpg
Dich schrumpfe ich als nächstes! Ray Dalio, Boss bei Bridgewater

Es ist angerichtet. Deutsche Bank und Commerzbank stehen auf dem Speiseplan mehrerer Finanzhaie. Mit mehr als einer Milliarde Euro wetten vier Hedgefonds auf weiter fallende Aktienkurse, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Donnerstag. Besonders im Fokus steht Deutschlands größtes Geldhaus: Insgesamt setzen die Fonds mit 979 Millionen Euro darauf, dass der Kurs des Instituts fällt.

Dagegen nehmen sich die 172 Millionen Euro, die der US-Hedgefonds AQR Capital Management auf schwächere Notierungen bei der Commerzbank setzt, vergleichsweise gering aus. AQR Capital hat laut FAZ in den vergangenen Monaten immer wieder solche Geschäfte mit den Aktien des Geldhauses mit Sitz in Frankfurt am Main gemacht. Allein seit Ende September 2016 seien im »Bundesanzeiger«, in dem Aktienkäufe ab einem Wert von 0,5 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals veröffentlicht werden müssen, 34 Meldungen von Leerverkäufen der Investmentgesellschaft mit Papieren des Kreditinstituts gelistet worden. Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.

Der Hedgefonds, der nach eigenen Angaben 226 Milliarden Dollar verwaltet, dürfte angesichts des rapide sinkenden Kurses der Deutschen Bank mit seinen Leerverkäufen kein schlechtes Geschäft gemacht haben. Seit einem Jahr hat die Aktie mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

Der Finanzkonzern versucht sein aufgeblähtes Investmentgeschäft zurückzufahren. Am Dienstag wurde bekannt, dass er den Investmentfonds Cerberus – benannt nach dem Höllenhund aus der griechischen Mythologie – damit beauftragt hat, »Kosten zu senken«. Auf dem deutschen Finanzmarkt ist Cerberus kein Unbekannter. Im Februar hatte der Fonds den Zuschlag zum Erwerb der HSH Nordbank erhalten.

»Die anerkannte Expertise der Cerberus Operations and Advisory Company wird uns auf dem Weg unterstützen, wieder attraktive Renditen für unsere Aktionäre und Investoren zu schaffen«, hatte die Deutsche Bank mitgeteilt.

Das größte deutsche Geldhaus mahnte zur Besonnenheit: Ungewöhnlich hohe Umsätze mit der Deutsche-Bank-Aktie habe man durch die Kurswetten bislang nicht feststellen können, habe der Finanzkonzern der FAZ am Mittwoch mitgeteilt. Auch der Aktienkurs habe sich in den vergangenen Tagen nicht außergewöhnlich entwickelt. Zu den jüngsten Zielen von AQR zählten auch Prosiebensat.1, die GEA Group, Bilfinger und Dialog Semiconductor.

Im Februar hatte der weltgrößte Hedgefonds Bridgewater bekanntgegeben, dass er Wetten auf sinkende Kurse bei 13 im Dax notierten Konzernen halte. Bridgewater-Chef Ray Dalio begründete seinen 8,2 Milliarden Dollar hohen Einsatz mit den Worten: »Die Konjunktur ist in der Spätphase des Aufschwungs, und ich sorge mich darum, wie der nächste Abschwung aussehen wird.«

Dalio hatte vor den Wahlen in Italien, die am 4. März stattfanden, vor allem auf sinkende Kurse an der Mailänder Börse gesetzt. Doch schon im April reduzierte er die in Leerverkaufspositionen gehandelte Summe um die Hälfte. Die Regierung in Rom ist von den im Wahlkampf angekündigten Euro-kritischen Positionen abgerückt. Ein Austritt aus dem Währungsraum steht vorerst nicht zur Debatte. Das große Fressen wurde verschoben. (jW)

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Casino Global Das Milliarden-Versenken-Spiel

Ähnliche:

  • Geier über Rom (31.05.2018) Finanzmärkte üben Druck auf italienische Regierung aus. Euro-Krise bleibt Brandherd: Deutsche-Bank-Aktie unter zehn Euro
  • Die Betrugsmaschine (17.08.2012) Analyse. Ein exklusiver Club von Finanzinstituten hat den internationalen Referenzzins Libor manipuliert. Hedgefonds, Banken und Händler schufen sich so lukrative Spekulationsmöglichkeiten
  • Bis zum nächsten Crash (26.10.2009) Bad Banks: Wie der Staat maroden Kreditinstituten aufhilft – und wer die Zeche zahlt (Teil II und Schluß)
Mehr aus: Kapital & Arbeit
  • Heute protestiert die »Aktion Arbeitsunrecht« in über 19 Städten gegen die Geschäftspraktiken von Real. Ein Gespräch mit Jessica Reisner
    Susanne Knütter
  • Seit drei Monaten steht die Streikfront der Eisenbahner gegen die Privatisierungspläne des französischen Präsidenten
    Hansgeorg Hermann, Paris