Aus: Ausgabe vom 13.07.2018, Seite 1 / Titel

Rentner sehen alt aus

Jeder zweite Ruheständler in der Bundesrepublik bekommt weniger als 800 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rentenversicherung

Von Jana Frielinghaus
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Bisher geht es den meisten über 65jährigen laut Bundesregierung noch gut, weil viele neben den gesetzlichen weiter Alterseinkünfte beziehen. Bei künftigen Rentnern wird sich das drastisch ändern

»Rente muss fürs Bierchen reichen«, steht auf Pappuntersetzern, die der Deutsche Gewerkschaftsbund unter die Leute bringt. Tut sie aber bei immer mehr Menschen nicht. Deshalb wirbt der DGB für eine Stärkung der gesetzlichen Rente – mit sehr moderaten Forderungen. Das Ausmaß der in den vergangenen Jahrzehnten von SPD, CDU, CSU, FDP und Grünen betriebenen Enteignung der Bürger bei den Altersbezügen zeigt sich in den Informationen, die die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann von der aktuellen Bundesregierung jetzt auf eine parlamentarische Anfrage erhielt. Danach bekam Ende 2016 fast jeder zweite Rentner monatlich weniger als 800 Euro von der Deutschen Rentenversicherung. Den Angaben zufolge liegen 48 Prozent der Renten unter 800 und 62 Prozent unter 1.000 Euro. Von den 8,6 Millionen Beziehern der Beträge unter 800 Euro sind 27 Prozent Männer und 64 Prozent Frauen. Die Zahlen beziehen sich auf Renten nach Sozialversicherungsbeiträgen, jedoch vor Abzug von Steuern.

Die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland hatten am Donnerstag zuerst über die Regierungsantwort berichtet. Danach sind unter denen, die weniger als 800 Euro bekommen, viele, die aufgrund kurzer Beitragszeiten »Kleinstrenten« beziehen. In diesen Fällen spiele diese gesetzliche Rente aber oft nur eine geringe Rolle für die Alterssicherung, weil andere Alterseinkommen vorhanden seien, etwa durch Mitversicherung von Frauen beim Ehemann, behauptete die Regierung. Die Höhe der gesetzlichen Rente liefere »für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter«. Sabine Zimmermann betonte demgegenüber, schon heute beziehe ein großer Teil Beträge, die auch insgesamt unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle liegen.

Die Differenzen zwischen den Gesamteinkünften von über 65jährigen in Ost- und Westdeutschland sind der Regierungsantwort zufolge immer noch erheblich. 2015 kamen demnach Ehepaare im Westen auf ein monatliches Nettoeinkommen von im Schnitt 2572 Euro, alleinstehende Männer auf 1.593 und Frauen auf 1.422 Euro. In Ostdeutschland verfügten Ehepaare über 2.257 Euro, alleinstehende Männer über 1.389 und Frauen über 1.370 Euro. (mit AFP)

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