Aus: Ausgabe vom 25.06.2018, Seite 2 / Feuilleton

Erinnerung und Ermutigung

Konzerte und Veranstaltungen setzten deutliche Akzente für linke Kultur

Von Peter Steiniger
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Zwei Vertreter einer Kultur, die gegen den Strom schwimmt: Der Gitarrist Nicolás Miquea (l.) und der Singer/Songwriter Tobias Thiele am Freitag beim Solikonzert in der Wabe

Um sein weiteres Erscheinen wird gerungen und das hierzulande einzige explizit links orientierte Kulturmagazin, Melodie & Rhythmus, tritt nicht leise. Am Freitag abend traten in Berlin Künstlerinnen und Künstler beim Solikonzert für den Erhalt der Zeitschrift aus dem Verlag 8. Mai auf. Das Kulturhaus Wabe im Ernst-Thälmann-Park war dafür ein guter Ort, der Zuspruch des Publikums ermutigend. Das Ereignis konnte auch live bei rockradio.de mitverfolgt werden. Auf der Bühne waren verschiedene Genres in hoher Qualität zu erleben, von Theater und Poesie bis hin zu Rap und Ska-Punk. Die Spoken-Word-Künstlerin Faten El-Dabbas, die für zwei Texte über rassistische Vorurteile und das Streben der Palästinenser nach Freiheit viel Beifall erhielt, begründet ihr Engagement für die M&R, wie sie im Gespräch mit junge Welt hervorhob, dadurch, dass sich das Magazin Künstlern und Themen zuwendet, die dem Mainstream unbequem sind. In einer kurzen Rede dankte M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl für die große Resonanz auf die laufende Kampagne zur Erhaltung gerade dieser Zeitschrift, die sich nicht an Stars orientiert und weiter eine »Plattform für Gegenkultur« bieten möchte.

»Poesie und Politik« war längst nicht das einzige politisch-kulturelle Event der vergangenen Tage, bei dem die jW Präsenz zeigte. Ebenfalls in der Wabe konnten 24 Stunden zuvor beim »Alle-für-alle-Konzert« zum 20. Todestag von Gerhard Gundermann Freunde und Weggefährten des ostdeutschen Liedermachers begeistern. Der Berliner Interpret André Augen war eine Entdeckung dieses Abends. Weitere Gundermann-Hommages sah Hoyerswerda in der Oberlausitz. »Es ist Sonntag in Schwarze Pumpe« – schallte es bereits am Freitag beim gemeinsamen A-capella-Gesang des Hits durch die Kulturfabrik. 13 Künstler aus mehreren Ländern wirkten dort bei »Gundermanns Lieder in Europa« mit. Am folgenden Abend gab es in der Kufa bei der »Brigadefeier mit alten und jungen Weg- und Liedgefährten« erneut einen vollen Saal. Im Background sang der »Bürgerchor Hoyerswerda« mit. »Gänsehaut pur«, so Jürgen Bieling vom Verein Gundermanns Seilschaft e. V.

Gut besucht war am Samstag auch das »Fest der Linken« auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Vereine und Medien präsentierten sich, neben der Taz und dem ND waren auch jW und M&R mit Ständen vertreten. Die Party vor dem Karl-Liebknecht-Haus, der sich derzeit mit dem Konterfei Ernesto Che Guevaras schmückenden Parteizentrale, stand im Zeichen internationaler Solidarität. Katalonienfans zeigten ebenso Flagge wie das Berliner »Komitee Freiheit für Lula«. Den passenden Sound lieferte unter anderem die Weltmusik von Banda Internationale aus Dresden. Ches Tochter Aleida talkte mit dem Linke-Politiker Dietmar Bartsch über Kubas Gesundheitspolitik, Gregor Gysi turtelte mit dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert über eine rosarot-grüne Zukunft. Der Festplatz leerte sich erst mit dem nahenden Anpfiff zum zweiten WM-Spiel der DFB-Elf. In dem fiel das entscheidende Tor über links.

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