Aus: Ausgabe vom 18.06.2018, Seite 4 / Inland

Respektable Bilanz

Am Samstag trat in Berlin die alljährliche Vollversammlung der LPG junge Welt eG zusammen

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Ordentliche Zahlen – trotz Branchenkrise: Dietmar Koschmieder, Simon Zeise, Eckehard Schlauß (v. l. n. r.) am Samstag in der jW-Ladengalerie

Es waren überaus positive Ergebnisse, die der Vorstand der LPG junge Welt eG am Samstag bei der alljährlichen Vollversammlung (VV) präsentieren konnte. 79 Genossinnen und Genossen waren in die jW-Ladengalerie in Berlin-Mitte gekommen, um sich über die wirtschaftliche Situation des Verlags 8. Mai GmbH, in dem die junge Welt erscheint, zu informieren, publizistische und politische Strategien zu diskutieren sowie einen neuen Aufsichtsrat zu wählen. Die LPG sichert durch Kredite notwendige Investitionen ab und hilft im Zweifelsfall, finanzielle Engpässe zu überbrücken. Insofern ist sie Rückgrat und Garant für das Fortbestehen der Zeitung.

Angesichts einer erfreulichen finanziellen Entwicklung musste die LPG im Geschäftsjahr 2017, das Gegenstand der Vollversammlung war, keine Kredite an den Verlag ausreichen. Der hat im Gegenteil erstmalig in seiner Geschichte einen – wenn auch bescheidenen – Jahresüberschuss in Höhe von 12.860 Euro erwirtschaftet, ein Betrag, der allerdings laut einstimmigem Beschluss der VV mit den in den Vorjahren angelaufenen Verlusten (570.292 Euro) verrechnet werden soll. Nichtsdestoweniger: In Zeiten einer tiefen Branchenkrise und eines allgemeinen Auflagenverfalls arbeitete der Verlag kostendeckend – erfreulich und alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Laut Vorstandsvorsitzendem Simon Zeise konnte die LPG ihre Mitgliederzahl von 1.970 zum Jahresende 2017 auf 2.072 steigern; seit Jahresbeginn 2018 sind weitere Genossen hinzugekommen. Eine »gute Ausgangsposition für die anstehenden Aufgaben«, wie Zeise betonte. Dazu zählt vor allem eine Anpassung der journalistischen Formate an ein »verändertes Leseverhalten in Zeiten der Digitalisierung«.

Mit den Einbrüchen auf dem Zeitungsmarkt gingen drastische Verschlechterungen bei der Infrastruktur (Einzelhandel, Zustellung, Druckkosten etc.) einher, wie jW-Geschäftsführer Dietmar Koschmieder in seinem Rechenschaftsbericht betonte. Angesichts eines komplizierten politischen Umfelds und branchenbezogener Herausforderungen sei es wichtig, dass der Verlag für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben über finanzielle Reserven verfüge. So wichtig die Genossenschaft auch sei, der Bestand bezahlter Abonnements bleibe »die zentrale ökonomische Größe«. Zur Verlagsstrategie gehöre vor allem eine Diversifizierung des journalistischen Angebots, was nicht nur von bündnispolitischer, sondern auch von ökonomischer Relevanz sei. Der Zeitschrift für Gegenkultur Melodie & Rhythmus, um deren Fortbestand derzeit gerungen wird, kommt in diesem Zusammenhang eine wichtige Aufgabe zu, wie Peter Borak, stellvertretender Geschäftsführer, betonte. Der jW-Verlag als »Gesamtkunst- und Netzwerk« schaffe sich mit ihr einen kulturellen »Agglomerationspunkt«, von dem auch die Zeitung als Kernprodukt profitiere.

Im Ergebnis der Vollversammlung wurde der bisherige Aufsichtsrat, bestehend aus Heinzjürgen Hagenmüller, Eckehard Schlauß und Andreas Siegmund-Schultze, einstimmig für eine weitere Amtszeit gewählt, als Nachrücker wurden – ebenfalls einstimmig – Michael Mäde und Gert Julius bestimmt, Vorstand und Aufsichtsrat ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen entlastet.

Die Wahl des neuen Vorstands erfolgt am 25. Juni auf einer Mitarbeitendenversammlung, dem höchsten beschlussfähigen Gremium der LPG. Es besteht aus den in der Verlag 8. Mai Beschäftigten, die Mitglied in der jW-Genossenschaft sind. (jW)Mitglied werden: Informationen zur Satzung und Beitrittsformular unter www.jungewelt.de/genossenschaft

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20 Jahre Osterwunder Am 6. April 1995 erschien die junge Welt »zum letzten Mal«

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