Aus: Ausgabe vom 15.06.2018, Seite 15 / Feminismus

Asylpolitik gefährdet geflüchtete Frauen

Köln/Berlin. Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von sexualisierter Gewalt in Konflikten am 19. Juni und dem Weltflüchtlingstag am 20. Juni haben Frauenrechtsorganisationen die deutsche Asylpolitik kritisiert. Diese gefährde geflüchtete Frauen, erklärte Monika Hauser, Gründerin von Medica Mondiale, am Donnerstag in Köln. Die Organisation leistet medizinische und psychologische Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen.

Medica Mondiale wie auch Terre des Femmes (TdF) wandten sich gegen die Unterbringung von Geflüchteten in den von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geplanten sogenannten Ankerzentren. In den Massenunterkünften sollen sowohl Asylsuchende untergebracht werden, über deren Anträge noch nicht entschieden wurde, als auch Menschen, deren Gesuche bereits abgelehnt wurden.

Monika Hauser kritisierte die Neuregelung des Familiennachzugs für Menschen mit eingeschränktem Schutzstatus. Die Koalition von CDU, CSU und SPD hat beschlossen, dass pro Jahr nur 10.000 Angehörige Geflüchteter aus Kriegsgebieten nach Deutschland nachkommen dürfen. Das treffe besonders Frauen und Mädchen, sagte Hauser: »Gestrandet irgendwo entlang der Fluchtrouten, zum Beispiel in Jordanien oder in den Lagern Libyens«, drohe ihnen sexuelle Ausbeutung, Zwangsprostitution und -verheiratung. Viele warteten seit Jahren darauf, ihren Partnern nachreisen zu können. Hauser forderte die Regierung auf, sexualisierte Kriegsgewalt endlich als Asylgrund anzuerkennen. TdF verwies in einer Erklärung vom Mittwoch auf Berichte aus Seehofers »Muster-Ankerzentrum« in Manching über die katastrophalen Zustände für Frauen und Mädchen. (jW)

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