Aus: Ausgabe vom 17.05.2018, Seite 1 / Titel

Klatsche für Trump

Demokratische Volksrepublik Korea kündigt Absage von Gipfeltreffen mit US-Präsident an, wenn Washington Drohpolitik fortsetzt

Von Knut Mellenthin
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Treffen auf Augenhöhe: Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un und sein US-Amtskollege Donald Trump auf einem Bildschirm im Hauptbahnhof in Seoul (16.5.2018)

Das geplante Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un ist gefährdet. Nordkoreas stellvertretender Außenminister Kim Kye Gwan warnte am Mittwoch: »Wenn die USA versuchen, uns in eine Ecke zu treiben, um uns zum einseitigen nuklearen Verzicht zu zwingen, sind wir an einem solchen Dialog nicht mehr interessiert, sondern sind gezwungen, unsere weitere Teilnahme an den Vorbereitungen des Gipfels zu überdenken.«

Der US-Präsident und der Partei- und Staatsführer der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) wollen sich am 12. Juni in Singapur treffen, um über eine Friedensregelung zu sprechen, die auch die »Entnuklearisierung der Koreanischen Halbinsel« beinhalten soll. Seit diese historisch beispiellose Begegnung im März vereinbart wurde, zunächst noch ohne festen Termin und Ort, möchte Trump das Ereignis als Erfolg seiner Druckpolitik gegen die DVRK ausschlachten. Das hat in Pjöngjang schon früher deutliche Verärgerung hervorgerufen.

Letzter Anlass für den aktuellen Warnschuss war eine offenbar gezielte Provokation durch Trumps Nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Der 69jährige Neokonservative, der schon beim Irak-Krieg 2003 eine treibende Rolle spielte, hatte am Sonntag in einer Talkrunde des Fernsehsenders ABC gefordert, nicht nur die nordkoreanischen Nuklearwaffen, sondern auch sämtliche Atomanlagen des Landes zur Verschrottung nach Oakridge in den USA zu schaffen. Genau so war 2004 mit dem noch in den Anfängen steckenden libyschen Atomprogramm verfahren worden. Vor einigen Wochen, bevor er ein Regierungsamt übernahm, hatte Bolton sogar explizit auf das »libysche Modell« hingewiesen. Darauf verzichtete er am Sonntag, aber auch so kam die Botschaft in Pjöngjang an. Man hat dort auch nicht vergessen, dass Bolton im Februar in der rechtsgerichteten Tageszeitung Wall Street Journal für einen militärischen Erstschlag gegen Nordkorea geworben hatte.

Kurz vor der Stellungnahme Kim Kye Gwans hatte die DVRK bereits ein Treffen mit einer hochkarätigen Delegation der südkoreanischen Regierung abgesagt, das am gestrigen Mittwoch stattfinden sollte. In der Begründung wurde auf die gemeinsame Kriegsübung der US-amerikanischen und südkoreanischen Streitkräfte hingewiesen, die am Freitag voriger Woche begonnen hat und bis zum 25. Mai dauern soll. Beteiligt sind unter anderem »B-52«-Bomber und »F-22«-Tarnkappenkampfflugzeuge, die jederzeit mit Atomwaffen ausgerüstet werden könnten.

Die bisherigen Stellungnahmen der DVRK deuten noch nicht auf eine definitive Absicht hin, die bedeutenden Schritte der vergangenen Monate zur Annäherung mit dem Süden des geteilten Landes rückgängig zu machen. Auch für den US-Präsidenten wird die Tür offengehalten, »sofern die Trump-Administration an das Gipfeltreffen mit der ehrlichen Bereitschaft zu einer Verbesserung der Beziehungen herangeht«, wie es in der Stellungnahme von Kim Kye Gwan heißt. In der Hauptsache fordert die DVRK in diesem Stadium nicht mehr als etwas Selbstverständliches, nämlich Respekt: »Die Welt weiß allzu gut, dass unser Land weder Libyen noch der Irak ist, die ein erbärmliches Schicksal getroffen hat.«

Bis Mittwoch nachmittag war keine Reaktion von Trump auf Twitter bekannt. Vielleicht denkt er zum ersten Mal in seinem Leben nach?

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