Aus: Ausgabe vom 14.05.2018, Seite 7 / Ausland

Brutaler Überfall in Oaxaca

Mexiko: Unbekannte Täter attackieren linke Aktivisten

Von Oliver Wegenstein
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Immer wieder gehen die Menschen in Mexiko gegen die Gewalt auf die Straße, so am 24. April nach dem Mord an drei Filmstudenten in Jalisco

In Mexiko-Stadt haben am Donnerstag Mitglieder der Lehrergewerkschaft CNTE demonstriert. Anlass war ein brutaler Überfall auf Aktivisten im südmexikanischen Oaxaca. Dort waren am vergangenen Montag Schläger in das Haus von Patricia Méndez und Arturo Villalobos eingedrungen. Beide sind aktiv im Kampf von Krankenhausbeschäftigten gegen staatliche »Reformen«, die Mexikos öffentliches Gesundheitssystem aushöhlen. Zudem ist Villalobos als Sprecher der trotzkistischen »Internationalistischen Gruppe« (GI) bekannt, deren Exekutivkomitee er angehört.

Zum Zeitpunkt des Überfalls war nur Nizván Villalobos Méndez, der 16jährige Sohn des Ehepaars, anwesend. Die Täter misshandelten ihn, zerrten ihn an einem Seil um den Hals durch das Haus, drückten seinen Kopf unter Wasser und drohten, seinen Vater zu verstümmeln und zu töten. Zudem fragten die Schläger nach dem Aufenthaltsort von zwei weiteren Familienangehörigen, die ebenfalls Mitglieder der GI sind. Nachdem sie das Haus durchwühlt hatten, fügten sie dem Jugendlichen Schnittwunden zu und schlugen ihn bewusstlos. Nizván musste in ein Krankenhaus gebracht werden, aus dem er am Donnerstag entlassen wurde.

Arturo Villalobos war immer wieder Ziel von Repressionsmaßnahmen, seit er im Juni 2016 ein Team von Medizinern geleitet hatte, das gegen den Widerstand der Polizei Überlebenden des Massakers von Nochixtlán (Oaxaca) Hilfe leistete. Dort war die Bundespolizei brutal gegen protestierende Lehrer vorgegangen, die mehrere Straßen blockiert hatten. Sechs Menschen wurden getötet und 108 verletzt.

Als Reaktion auf den brutalen Überfall berief die CNTE eine Pressekonferenz mit den Betroffenen ein. Bei den Tätern habe es sich eindeutig um Profis gehandelt. Während der Demonstration am Donnerstag riefen die Teilnehmer deshalb immer wieder den Slogan »Es war der Staat«, ein Ruf, der in Mexiko seit dem »Verschwinden« von 43 Lehramtsstudenten im Jahr 2014 auf vielen Versammlung zu hören ist. Bei der Abschlusskundgebung am Zócalo wurde per Telefon ein Sprecher aus Portland in den USA zugeschaltet, wo es zeitgleich Proteste vor dem mexikanischen Konsulat gab. Für das Wochenende waren weitere Aktionen unter anderem in Los Angeles, Boston und New York angekündigt.


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