Aus: Ausgabe vom 03.05.2018, Seite 15 / Medien

WDR stellt Mitarbeiter »frei«

Nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigungen versucht Sender die Sache zu regeln

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WDR-Haus in Köln

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) ist die größte ARD-Sendeanstalt. Und er hat ein großes Problem: Wie adäquat umgehen mit teilweise schon länger im Raum stehenden Vorwürfen sexueller Belästigung beim Medienriesen? Nachdem vor wenigen Wochen ein ehemaliger Auslandskorrespondent wegen derartiger Anschuldigungen suspendiert worden war, hat der Sender jetzt einen weiteren Mitarbeiter nach solchen Vorwürfen vorläufig aus dem Arbeitsprozess herausgenommen – »freigestellt« wird das genannt.

Eine WDR-Sprecherin bestätigte am Montag einen Medienbericht, wonach es um einen »hochrangigen« Mitarbeiter gehe. Tatsächlich handelt es sich um den Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie, Gebhard Henke (63), wie dessen Anwalt Peter Raue am Montag mitteilte. Sein Mandant sei am Sonntag freigestellt worden, ohne ihm »einen einzigen konkreten Sachverhalt zu nennen«, schrieb der Advokat in einer Presseerklärung. Er hat den WDR nach eigenen Angaben aufgefordert, die Vorwürfe bis zum 10. Mai zu konkretisieren und Henke dazu Stellung nehmen zu lassen – oder die Freistellung aufzuheben.

Der Mitarbeiter ist seit 1984 beim Westdeutschen Rundfunk tätig und auch als Koordinator der ARD-Krimiserie »Tatort« bekannt. Und er lässt sich medienwirksam verteidigen: »Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen, er weiß nicht, wer gegen ihn einen – welchen? – Vorwurf erhebt. Und dies sollte, bevor die Gerüchteküche brodelt, klargestellt werden«, betonte Anwalt Raue auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Sein Mandant habe sich dazu entschieden, seinen Namen zu nennen, um Spekulationen ein Ende zu bereiten.

Der WDR teilte daraufhin am Montag mit: »Wir haben verschiedene ernstzunehmende Hinweise, denen wir derzeit sehr sorgfältig nachgehen. Während dieser Überprüfung halten wir es für notwendig, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.«

Im Falle des zuvor freigestellten Korrespondenten hatte sich der Sender lange schwergetan. Vorwürfe der Verschleppung und mangelnder Wille zur Aufklärung wurden in Medien kolportiert. Die WDR-Geschäftsleitung hatte Mitte April dann ein Maßnahmenpaket für eine bessere Vorbeugung beschlossen und die Einrichtung einer dauerhaften externen Ombudsstelle angekündigt, an die sich Betroffene wenden können. Zudem soll die frühere Gewerkschaftschefin und EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies in »völliger Unabhängigkeit« prüfen, wie der WDR mit Hinweisen umgegangen sei. (dpa/jW)


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