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Anno … 18. Woche

1898, 30. April: In Berlin wird der Deutsche Flottenverein auf Initiative von Vertretern der Schwerindustrie sowie einiger Großbanken gegründet. Spiritus rector ist der Großadmiral und Staatssekretär des Reichsmarineamts Alfred von Tirpitz, einer der aggressivsten Propagandisten maritimer Aufrüstung. Das Ziel des Vereins ist, die Bevölkerung im Sinne einer vor allem gegen Frankreich und Großbritannien gerichteten »Weltmachtpolitik« des Kaiserreichs zu beeinflussen und im Reichstag für die Finanzierung einer »Wehrmacht zur See« zu werben. Der Flottenverein, der bereits Ende 1898 über 70.000 Mitglieder hat, entwickelt sich bald zum größten nationalistischen Verband des Kaiserreichs, dessen Propaganda in breite Kreise der Bevölkerung wirkt – u. a. geht die Popularität des Matrosenanzugs auf seine Tätigkeit zurück. Nach dem Ersten Weltkrieg gibt sich der Zusammenschluss den Namen Deutscher Seeverein, kehrt aber 1931 wieder zur alten Bezeichnung zurück, um schließlich 1934 von den Nazis im Reichsbund Deutscher Seegeltung gleichgeschaltet zu werden.

1933, 1. Mai: Adolf Hitler hält auf dem Tempelhofer Feld in Berlin eine Ansprache im Rahmen einer propagandistischen Massenversammlung. Die Nazis haben den 1. Mai kurz zuvor als »Tag der nationalen Arbeit« zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Auch in zahlreichen anderen Städten organisieren die Faschisten Maikundgebungen. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßt die Initiative und hat seine Mitglieder aufgerufen, sich an den Kundgebungen zu beteiligen. Am 2. Mai besetzen Angehörige der SA und der SS alle Gewerkschaftshäuser und Zeitungsredaktionen der Gewerkschaften und beschlagnahmen deren Vermögen. Viele Funktionäre werden in »Schutzhaft« genommen, zahlreiche gefoltert und ermordet. Sämtliche Gewerkschaften werden aufgelöst, das Streikrecht abgeschafft. Am 10. Mai wird schließlich die Deutsche Arbeitsfront als Zwangsorganisation für Arbeiter wie Unternehmer gegründet, die der »Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft« dienen soll.

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1938, 4. Mai: Nachdem der Vatikan bereits im Oktober 1937 den spanischen Putschisten Francisco Franco diplomatisch anerkannt hatte, entsendet Papst Pius XI. einen Botschafter nach Salamanca.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.04.2018, Seite 15, Geschichte

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