Aus: Ausgabe vom 23.04.2018, Seite 1 / Ausland

Kurswechsel in Nordkorea

Pjöngjang verkündet Ende seiner Atom- und Raketentests

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Kundgebung am Sonnabend in Seoul für »Frieden, Versöhnung und Zusammenarbeit auf der Koreanischen Halbinsel«

Kurz vor dem für Freitag geplanten Gipfeltreffen der Regierungschefs Nord- und Südkoreas hat Pjöngjang überraschend den vorläufigen Stopp seiner Atomversuche und Tests mit Interkontinentalraketen verkündet. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un begründete seinen Vorstoß nach Berichten staatlicher Medien vom Sonnabend damit, dass das Atomprogramm abgeschlossen sei. Dieser »große Sieg« mache weitere Tests unnötig. Das Land könne sich jetzt auf den wirtschaftlichen Aufbau konzentrieren, sagte Kim bei einer Tagung des Zentralkomitees der regierenden Partei der Arbeit Koreas (PdAK) am Vortag. »Die Atomtests und Teststarts der Interkontinentalraketen werden ab 21. April 2018 gestoppt. Der nördliche Atomtestplatz der Republik wird abgeschafft, um den transparenten Teststopp zu garantieren«, heißt es in dem Beschluss des ZK. Von einem vollständigen Verzicht auf das Nuklearprogramm ist dagegen nicht die Rede.

UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem positiven Schritt nach vorne, der zur Vertrauensbildung beitrage. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: »Das sind sehr gute Neuigkeiten für Nordkorea und die Welt«. Auch aus Südkorea, China, Russland und der EU kamen positive Reaktionen. Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow schrieb auf Facebook: »Das ist eindeutig die Chance auf eine Deeskalation der Spannungen, die sich noch vor ein, zwei Monaten bis an den Rand eines Atomkriegs aufgeschaukelt hatten.«

Nordkorea hatte bereits nach dem Test einer Interkontinentalrakete im vergangenen November erklärt, die Entwicklung zur Atomstreitmacht sei abgeschlossen. Die USA befänden sich in Reichweite der neuen Langstreckenraketen. Im Februar 2012 hatte Nordkorea schon einmal nach einer Einigung mit den USA ein Moratorium für Atom- und Langstreckenraketentests verkündet. Nachdem Washington seinen Teil der Vereinbarungen jedoch nicht eingehalten hatte, kündigte Pjöngjang das Abkommen wieder auf. (dpa/jW)


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  • Achim Lippmann: Kurswechsel: ja und nein Ist es ein Kurswechsel? Rein deklarativ, ja. Aber es gibt in Pjöngjang eine frappierende Kontinuität mit einem steigenden Erfolgsquotienten. Man hat jetzt eine Verhandlungsmasse, die man vor zehn Jahr...
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