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Droste

Die kugelrunde Kunigunde

Von Wiglaf DrosteDie kugelrunde Kunigunde wurde in der Schule gehänselt und gegretelt, weil sie die kugelrunde Kunigunde war. Ihr Gesicht leuchtete wie ein frischer, appetitlicher Apfel, die Mitte ihres Körpers formte sich zu einer saftigen Birne, und dass sie Pflaumenkuchen mit Schlagsahne so liebte wie jedes irdische Kind, ließ sie sich ansehen.

Sie hatte kleine, aber tatkräftige Hände, mit denen sie sich an Holz, Stein, Metall, Papier, Farben und in ihrer Küche austobte. Der Fehler, den man ihr neidisch anzuheften versuchte, ließ sich in wenigen Worten und Silben zusammenfassen: Sie hatte Gehirn und Geschmack.

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Sie war bei Sinnen und beobachtete aufmerksam und neugierig die Drehungen und Windungen der Weltkugeln, die sich in ihr widerspiegelten. Sie las Bücher, die von den meisten Erwachsenen ignoriert wurden. Wenn sie das Wort »internetaffin« vernahm, lachte sie, und IT hielt sie für eine Krankheit wie Magersucht oder Ritalinfressen. Das fanden die anderen Kinder, die mit der Play Station gezeugt worden waren und sich, dem Betrug an ihrem Leben entsprechend betrugen, gar nicht gut und warfen mit argem, stark klärwerkbedürftigem Vokabular um sich. Und was machte die kugelrunde Kunigunde? Erst, verständlich, ärgerte sie sich. Aber dann ließ sie alle hinter sich.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.03.2018, Seite 11, Feuilleton

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