Aus: Ausgabe vom 22.03.2018, Seite 2 / Ausland

Angriff eingestanden

Israel räumt Bombardement in Syrien vor zehn Jahren ein

Von Gerrit Hoekman
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Attacke auf Nachbarland: Aufnahmen aus einem vom israelischen Militär veröffentlichten Video

Die israelische Luftwaffe will am 6. September 2007 einen syrischen Kernreaktor zerstört haben, kurz bevor er in Betrieb gehen sollte. Das teilte die Militärführung am Mittwoch in einer Presseerklärung erstmals mit. »Vier Flugzeuge vom Typ ›F-16‹ haben eine Atombedrohung nicht nur für Israel, sondern auch für die gesamte Region beseitigt«, heißt es in der Mitteilung.

Syrien bestreitet bis heute, dass bei dem Luftangriff ein Atomkraftwerk getroffen wurde. Das zerstörte Gebäude habe landwirtschaftlichen Forschungen gedient. Tatsächlich zeigen Luftbilder, dass die Anlage völlig schutzlos war. Es gab weder Zäune noch eine Wache, geschweige eine Luftabwehr. Am Tag nach dem Angriff hatten syrische Medien berichtet, dass feindliche Flugzeuge in den Luftraum eingedrungen seien. Israel schwieg dazu.

Zehn Jahre lang durften die israelischen Medien nicht über das Staatsgeheimnis berichten. Die Regierung fürchtete anscheinend eine Antwort des syrischen Militärs, wenn sie sich öffentlich zu dem Angriff bekannt hätte. Wie wichtig es aber gewesen sei, den Meiler zu zerstören, habe die politische Entwicklung in den Jahren danach gezeigt, heißt es in der Erklärung. Der Landstrich am Euphrat in der Nähe von Deir Al-Sor gehörte bis vor einem halben Jahr zum Machtbereich des »Islamischen Staats«. Nicht auszudenken, so die israelische Militärführung, wenn das AKW in dessen Hand gefallen wäre.

Am Mittwoch veröffentlichte die Tageszeitung Haaretz mit Erlaubnis der Zensurbehörde erstmals ein ausführliches Dossier über die Hintergründe der »Operation Orchard«. Der Mossad habe lange keine Ahnung gehabt, dass Syrien eine Atomkraftwerk baue, erst Ende 2006 sei die Anlage in den Fokus geraten. »Wir hatten Satellitenfotos von einem großen Gebäude mitten in der Wüste«, zitiert Haaretz den Chef der militärischen Abwehr.

Die Mitteilung der israelischen Militärführung zeigt, dass Tel Aviv im Moment keine Angst vor Syrien hat. Die Armee des Nachbarlandes hat genug damit zu tun, den Feind im eigenen Land zu bekämpfen. In den vergangenen Jahren hatten israelische Flugzeuge mehrfach Konvois in Syrien angegriffen, ohne dass Damaskus reagiert hätte. Die Bekanntgabe ist aber auch als Warnung an den Iran zu verstehen. Vorausgesetzt natürlich, es hat diesen Atomreaktor am Euphrat jemals gegeben.


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