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Berlinale

All das

»Season of the Devil« (Wettbewerb)

Foto: Giovanni D. Onofrio
»Zweifellos der richtige Weg« (Piolo Pascual, Hazel Ozio)

Der humorige philippinische Filmemacher Lav Diaz hat den Imperialisten der Kinofuttertröge mal wieder eine ordentliche Zumutung untergejubelt. Im Wettbewerb laufen vier Stunden »Season of the Devil« (In Zeiten des Teufels). Glücklicherweise kommt diese »Rockoper« (Diaz) vollständig ohne Rockmusik aus. Gegenstand sind die Philippinen zur Zeit von Marcos-Diktatur und Kriegsrecht. Am Ruder sind Voodoo-obskurantistische Faschisten, die jede Aufklärung mit Todfeindschaft verfolgen. Ihr Chef ist der janusköpfige (er trägt Hinterkopfmaske) »Chairman Narciso«, der grundsätzlich Kauderwelsch redet wie Chaplins Großer Diktator. Ihm folgen schwerbewaffnete Gangster, die mit einer Hymne der Dummheit auf den Lippen (»la la la«) eine meist oppositionelle Dorfbevölkerung terrorisieren.

Alle Dialoge des Film sind a capella in einem (oft gereimten) Sprechgesang gehalten. Dazu gibt es pamphletartige Gedichte, Klagelieder, Couplets, gegrölte Chorgesänge. All das. Gedreht in digitalem Schwarzweiß, meist in starren, »theatralischen« Einstellungen. Zweifellos der richtige Weg. Selbst Brechts »Maßnahme« war ja letztlich ein Musical. Ein politischer Diskurs (das Lernen) kann Naturalismus nicht gebrauchen. Der Naturalismus muss zum Teufel/ist des Teufels. Ein politischer Diskurs braucht Singen und Stammeln und Klagen und Hundejaulen.

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An Lyrismen mangelt es den vier Stunden »Season of the Devil« nicht. Hauptgegenspieler des in Zungen sprechenden Diktators ist ein (pathetisch eloquenter) Lyriker. Auch die folternden und vergewaltigenden Faschisten schätzen dessen Werke: »Deine Worte sind weise und schlau. Doch das ist in einem Land, wo die Dummheit herrscht, nutzlos. La la. La la la.«

P. S.: Um dem Parlando halbwegs folgen zu können, las ich die mehrsprachigen Untertitel mit einer in der Oper angebrachten Aufmerksamkeit. Wo in den von Diaz mitverfassten englischen Untertiteln von aufständischen »Massen« die Rede war, stand auf Deutsch »Bevölkerung«. Wurde jemand »Badass« genannt (»Draufgänger«), stand da »Arschloch«. Das Deutsche ist offenkundig ein bisschen blöde.

»Season of the Devil«, Regie: Lav Diaz, Philippinen 2018, 234 min, 21., 22.2.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.02.2018, Seite 11, Feuilleton

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