Aus: Ausgabe vom 14.02.2018, Seite 16 / Sport

Putzen Sie Ihre Schuhe!

Doping, Korruption und Party: Olympia geht seinen Gang

Von Uschi Diesl
RTX4W767.jpg
Weit weg vom »eigentlichen Olympia-Kern«, freut sich Arnd Peiffer über Gold

»Mehr Zuschauer, mehr Fernsehgeld … « – man könne diesem »Gigantismus« wohl kaum »richtig entfliehen«, meinte Biathlet Arnd Peiffer aus dem Harz, nachdem ihm am Dienstag auf der »Medal Plaza« die Olympiagoldmedaille umgehängt worden war. Nur weil er im Sprint nach ganz oben gestürmt sei, werde er nicht anfangen, das »pompöse« Spektakel »in den Himmel zu loben«, ergänzte der 30jährige. Vor der Abreise nach Südkorea hatte er die Restriktionen, denen Olympioniken unterworfen sind, mit wünschenswerter Genauigkeit benannt: »Man darf dies nicht sagen und das nicht posten. Auf dem Hinflug muss man genau diese Sachen anziehen und zig Anträge stellen, falls ein Sponsor irgend etwas postet, das mit deinem Namen in Verbindung steht.« Geschichtsvergessene erinnerte er in jenem Gespräch mit dem NDR an den Ursprung der Spiele als nichtkommerzielles Fest der Völkerfreundschaft. Von diesem »eigentlichen Olympia-Kern« seien die Spiele weit entfernt. Entsprechend verblasst sei »der Mythos Olympia bei der Bevölkerung«.

Auch am Dienstag gab es etliche Nachrichten, die zu diesem Befund passten. Drei seien hier als Beispiele aufgeführt. Weil bisher kaum Publikum bei den Siegerehrungen im Olympiapark zugegen war, wird für diese künftig kein Eintrittsgeld mehr kassiert. Zweitens wurde der Boss eines Hauptsponsors der Spiele wegen Korruption zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Shin Dong Bin, Chairman von Südkoreas fünftgrößtem Firmenkonglomerat Lotte, verschaffte sich laut Urteil geldwerte Vorteile durch Schmiergeldzahlungen an die damalige Präsidentin Park Geun Hye, die sich in Untersuchungshaft befindet. Als Präsident des koreanischen Skiverbandes weilte der Verurteilte in den vergangenen Tagen noch an den Loipen in Pyeongchang. Drittens gab es am Dienstag auch den ersten Dopingfall bei Olympia. Bei der Analyse einer Probe des japanischen Shorttrackläufers Kei Saito wurde das Diuretikum Acetazolamid entdeckt. Der 21jährige reagierte erwartungsgemäß: »Dieses Ergebnis geht über meine Vorstellungskraft hinaus«, beteuerte er. Er habe Antidopingseminare besucht und penibel auf die Ernährung geachtet: »Wenn etwas anderes in meinen Körper gelangt sein sollte, war das nicht meine Absicht.«

Sport wurde auch noch getrieben. Shorttrackerin Arianna Fontana gewann vor 11.000 Zuschauern in der Gangneung-Eisarena über 500 Meter die erste Goldmedaille für Italien. Die 17jährige Chloe Kim holte auf dem Snowboard in der Halfpipe die dritte Goldene für die USA (alle im Snowboard) und erklärte: »Ich hasse es, zu frieren. Wenn meine Hände kalt werden, gehe ich rein und grundsätzlich nicht mehr raus.« Geboren wurde Kim in Südkorea. Auf koreanisch heißt Kim »Gold«. Ihr Vater ging einst in die USA, machte in Immobilien. Heute besitzt Tochter Chloe in Südkorea einen Apartmentkomplex. Es dürften noch welche dazukommen.

Das erste Gold für Österreich gewann am Dienstag Abfahrtsläufer Marcel Hirscher in der Kombination, die zu den kommenden Spielen in Beijing abgeschafft werden wird. »Was 1936 mit dem Deutschen Franz Pfnür begonnen hat, wird dann mit Marcel Hirscher geendet haben. Immerhin ein würdiger Ausklang«, befand der Sportinformationsdienst. Hirscher selbst nannte es »nicht richtig, diese Disziplin mit so viel Geschichte abzuschaffen«. Nach dem Wettbewerb im Jeongseon Alpine Centre kratzten emsige Helfer verdreckte Schichten von Schnee ab und schütteten sie in Mülleimer. Damit ihre Arbeit überhaupt zu bewältigen ist, hängen am Eingang zum Zielbereich Schilder: »Bitte putzen Sie ihre Schuhe, bevor sie den Schnee betreten«.

Wacker schlugen sich auch am Dienstag die »olympischen Athleten aus Russland«. Im neuen Mixed-Wettbewerb im Curling siegten Anastassija Brysgalowa und Alexander Kruschelnizki im kleinen Finale gegen das Paar aus Norwegen. Ebenfalls Bronze gewann Julia Belorukowa im Skilanglaufsprint (klassisch). Auch Deutsche hatten Grund zu jubeln. Natalie Geisenberger rodelte zu Gold, Dajana Eitberger zu Silber und Skispringerin Katharina Althaus erklärte nach ihrer Silberparty: »Ich weiß gar nicht, wann ich ins Bett gegangen bin.«


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Sport