Aus: Ausgabe vom 14.02.2018, Seite 10 / Feuilleton

Papendiek, Baumann, Legal

Von Jegor Jublimov
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Heinz Baumann zwischen den Schauspielerinnen Judith Richter (l.) und Beatrice Richter 2014 in München

Zwei Schauspieler, nachhaltig in Erinnerung durchs Fernsehen, hatten am Montag ihren 90. Geburtstag. Alexander Papendiek hat es nicht erlebt. Er wurde nur 46 Jahre alt. Der Dresdner kam über Potsdam nach Berlin, wo er nach wenigen Theaterjahren ins Fernsehensemble wechselte. Die größten DEFA-Rollen gab Martin Hellberg dem gutaussehenden dunkelhaarigen Schauspieler. In »Der Richter von Zalamea« (1956) und »Wo du hingehst« (1957) spielte Papendiek jeweils einen Juan. Seine bekannteste Rolle bleibt der sympathische Oberleutnant Thomas in der Krimireihe »Blaulicht« (1959–68).

Ob in Quedlinburg noch jemand weiß, dass hier Heinz Baumann nach dem Krieg auf der Bühne stand? Der gebürtige Oldenburger spielte später an Theatern kreuz und quer in der Bundesrepublik und hat sich nun in München zur Ruhe gesetzt. Obwohl er in der Ganghofer-Verfilmung »Schloss Hubertus« (1954) und dem Grusical »Das Spukschloss im Spessart« (1960) Hauptrollen übernahm, startete er seine kurze Kinokarriere erst mit 40. Mit »Ich bin ein Elefant, Madame!« verfilmte Peter Zadek 1969 mit Blick auf die Studentenrevolten Thomas Valentins Roman »Die Unberatenen« mit Baumann als Studienrat Dr. Nemitz, der sich zwischen die Fronten gesetzt sieht. Hauptrollen in mehreren Simmel-Verfilmungen folgten in den siebziger Jahren, bevor der Schauspieler ins Fernsehen zum Krimifach wechselte, u. a. in der »SOKO 5113« (1978–92) und am deutlichsten in Erinnerung neben Evelyn Hamann und Gisela May als leicht vertrottelter Hauptkommissar Strobel in »Adelheid und ihre Mörder« (1993–2007). Daneben übernahm er immer wieder mal eine Charakterrolle, etwa als Herbert Wehner in »Wehner – die unerzählte Geschichte« (1993).

Dass Marga Legal mit über 40 ihre erste Filmrolle spielte, lag am Berufsverbot in der Nazizeit. Die Tochter des renommierten Schauspielers und Intendanten Ernst Legal war mütterlicherseits jüdischer Abstammung. Gegen Faschismus und Krieg, für den Aufbau einer neuen Gesellschaft setzte sie sich fortan in der DDR ein, engagierte sich im Kulturbund und im Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD), war Berliner Stadtverordnete und von 1967–71 Volkskammerabgeordnete. Doch ihr Beruf blieb ihr immer wichtig. Auch wenn sie selten im Mittelpunkt der Stücke und Filme stand (Kurt Maetzigs »Die Fahne von Kriwoj Rog«, für den sie 1968 den Nationalpreis erhielt, blieb eine Ausnahme), so schuf sie doch volkstümliche Gestalten (Serie »Kiezgeschichten«, 1987), für die das Publikum sie liebte. Sie blieb auch im hohen Alter in kleinen Rollen im Fernsehen präsent, bis ein junger Fahrer seinen BMW nicht im Griff hatte und sie mit 93 am Weißen See ihr Ende fand. Am Sonntag wäre Marga Legal 110 Jahre alt geworden.


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