Aus: Ausgabe vom 14.02.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Streit um Internationale Raumstation

Chef der European Space Agency zweifelt an US-Privatisierungsplan. Moskau reagiert kühl

Space_Station_56167048.jpg
Künftig nur noch Private im Orbit? Zwei russische Kosmonauten beim Gesundheitscheck in der ISS am 2. Februar

Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, glaubt nicht an eine Privatisierung der Internationalen Raumstation ISS nach 2024. »Der Gesamtbetrieb der Raumstation ist einfach zu teuer«, zitierte ihn die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Die ISS in 400 Kilometern Höhe wird seit fast 20 Jahren von den Raumfahrtbehörden der USA, Russlands, Japans, Kanadas und der ESA gemeinsam betrieben. Die Finanzierung des Milliardenprogramms ist bis 2024 zugesagt. Den Großteil der Kosten von mehr als drei Milliarden Euro im Jahr tragen die USA. Die Gesamtausgaben für Aufbau und Betrieb der Station belaufen sich nach Schätzungen bereits auf mehr als 100 Milliarden Euro.

Die US-Regierung will nach 2024 aus der Finanzierung aussteigen und eine Privatisierung des Weltraumlabors vorantreiben, wie aus dem am Montag von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Etatentwurf hervorgeht (siehe jW vom Dienstag). Der Plan ist zunächst nur ein Wunschkatalog und wird kaum in dieser Form umgesetzt werden. In diesem Plan stehe, »dass die NASA ihre Anstrengungen verstärkt, nicht allzuweit über der Erde stattfindende Aktivitäten an den Privatsektor abzugeben, und die direkte staatliche Förderung der ISS 2025 beendet«, erklärte der geschäftsführende NASA-Chef Robert Lightfoot. »Wir können nicht alles machen, und wie immer mussten wir schwere Entscheidungen treffen.«

ESA-Chef Wörner hob hervor, dass sich die Partner bislang nur bis 2024 verpflichtet haben. »Man kann die Frage andersrum stellen und sagen, die USA haben jetzt überlegt, die Station doch über 2024 hinaus zu benutzen.« Die US-Vertreter hätten immer klar gesagt, dass sie die Station stärker kommerzialisieren wollen. »Aber das wird auch nach 2024 mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden, davon kann man fest ausgehen. Wir versuchen das ja auch von europäischer Seite.« So ist unter dem Namen Bartolomeo eine neue Plattform für kommerzielle Experimente an der Außenseite des ISS-Labors Columbus geplant.

Nach den USA ist Russland der zweitgrößte Geldgeber des Projekts. Die Raumfahrtbehörde Roskosmos betonte, eine Entscheidung über die Zukunft der ISS werde bis 2024 im Konsens getroffen. »Die ISS wird von allen Mitgliedern gemeinsam betrieben, deshalb werden sämtliche Initiativen eines Landes auch mit allen anderen besprochen«, sagte ein Roskosmos-Sprecher der Agentur Interfax. (dpa/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Kapital & Arbeit
  • US-Regierung bastelt an Importsteuern. China setzt bei Einfuhr auf »Kautionen«
  • Polnische Antikorruptionsbehörde nimmt hohe Staatsdiener wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei Veräußerung von Chemiekonzern fest
    Reinhard Lauterbach