Aus: Ausgabe vom 14.02.2018, Seite 8 / Ansichten

Trauriges Spiel

Machtkampf in Südafrika

Von Christian Selz, Kapstadt
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ANC-Mitglieder fordern am 5. Februar in Johannesburg die Absetzung Jacob Zumas

Falls es noch irgendwelche Zweifel daran gegeben hatte, dass Jacob Zuma sein eigenes Wohl über das seines African National Congress (ANC) stellt, sind diese seit Dienstag früh ausgeräumt. Die Dreistigkeit, mit der Südafrikas Präsident nun sogar die Entscheidung der Partei ignoriert, ihn abzuberufen, ist kaum zu übertreffen. Der Mann, der seine Brille bei längeren Reden stets mit dem ausgestreckten Mittelfinger hochschiebt, während der Rest der Hand eine Faust bildet, hat seiner politischen Basis ein klares Zeichen gegeben. »Ihr könnt mich mal«, war die Essenz dessen, was Zuma der Partei entgegenschmetterte.

Natürlich wird er nun trotzdem gestürzt, gewonnen hat Zuma wahrscheinlich nur ein paar Tage, wenn überhaupt. Doch die will er nutzen, um weiterzupokern. In den Verhandlungen mit der Parteiführung geht es längst nicht mehr um politische Themen, sondern um die Absicherung seiner Pfründe und seiner persönlichen Freiheit. Schwer wiegen die Vorwürfe: In korrupte Waffendeals, natürlich auch mit deutscher Beteiligung, und in die Unterwanderung staatlicher Strukturen durch skrupellose Geschäftemacher soll Zuma verwickelt sein. Eine baldige Anklage scheint wahrscheinlich. Die Opposition – und ein nicht geringer Teil der südafrikanischen Bevölkerung – würde Zuma lieber heute als morgen im Gefängnis sehen.

Doch sein designierter Nachfolger Cyril Ramaphosa, der selbst seit dem Massaker an streikenden Bergarbeitern in Marikana 2012 Blut an den Händen hat, will Zuma keine Amnestie gewähren. Das ist wahrscheinlich nicht einmal persönlich gemeint, sondern hängt mit dem hohen Preis zusammen, den der ANC bei den kommenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2019 für einen solchen Schritt zahlen müsste. Die ehemalige Befreiungsbewegung versucht seit ihrem Parteitag im Dezember unter neuer Führung ein Klima des Aufbruchs zu erzeugen.

Die Parteiführung glaubt, dass sie »dringend handeln« müsse, »um unser Land in Richtung größere Einigkeit, Erneuerung und Hoffnung zu steuern«, ist der Mitteilung zur Abberufung Zumas zu entnehmen. Man wolle »die Integrität der öffentlichen Institutionen wiederherstellen sowie politische Stabilität und dringende ökonomische Erholung schaffen«. Im Klartext: Ramaphosa will Investoren glücklich machen, weil er einen Aufschwung braucht, um die Wahl zu gewinnen. Zuma weiß das. Und die Drohung, dem ANC einen noch schwereren Imageschaden zuzufügen, ist seine letzte Trumpfkarte.

Von außen betrachtet ist es ein trauriges Spiel. Derselbe Mann, der einst im Kampf gegen das Apartheidregime bereit war, sein Leben für die Befreiungsbewegung zu geben, verrät sie nun, um seine Reichtümer zu wahren. Derselbe Jacob Zuma, den nach zehn Jahren in den Kerkern von Robben Island nichts daran hindern konnte, für den ANC wieder in den Untergrund zu gehen, beschädigt nun dessen Erbe, um nicht für seine Taten sühnen zu müssen. Das Manöver wird Zuma wohl nicht mehr helfen, aber es zeigt, wo der ANC heute steht.


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