Aus: Ausgabe vom 13.02.2018, Seite 16 / Sport

Dann feit da nix

Unter widrigen Bedingungen ist Laura Dahlmeier optimal in die Winterspiele gestartet

Von Jens Walter
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»Professionell bis in die Haarspitzen« – Laura Dahlmeier, hier noch mit gefrorenen Fingern

»Meine Finger sind gerade aufgetaut«, sagte die Biathletin Laura Dahlmeier am Montag im bitterkalten Pyeongchang. Unter »Schmerzen, schlimmer als in jedem Rennen zuvor«, hatte die Bayerin in der Verfolgung ihre zweite Goldmedaille bei den Winterspielen gewonnen. Sie war den Wettkampf verhalten angegangen. Die richtige Strategie. Nach dem zweiten Schießen, bei dem Dahlmeier zweimal am Diopter drehte und einmal daneben schoss, übernahm die laufstarke Anastasiya Kuzmina (Slowakei) die Führung. Dahlmeier zeigte sich unbeeindruckt vom Sturmlauf der gebürtigen Russin und zweimaligen Olympiasiegerin. Beim dritten Anschlag feuerte Kuzmina zweimal daneben, Dahlmeier blieb ohne Fehler und lief allen davon. Nach den letzten fünf Versuchen – wieder ohne Fehler – verließ sie den Schießstand mit einem Lächeln. Am Ende lag sie 29,4 Sekunden vor der zweitplazierten Kuzmina.

»Sie ist professionell bis in die Haarspitzen«, sagte Bundestrainer Gerald Hönig nach dem historischen Doppelerfolg. Nie zuvor hat eine Olympionikin nach dem Sprint die Verfolgung gewonnen. Viermal wird Dahlmeier, deren Wahlspruch auf dem Gewehr nur schwer zu übersetzen ist – »Scheiß da nix, dann feit da nix«, etwa: Denk dir nichts, dann passiert dir nichts –, in Südkorea noch an den Start gehen: Einzel, Massenstart, Mixed-Staffel und Staffel. Nach den beiden ersten Vorstellungen ist der Garmisch-Partenkirchnerin alles zuzutrauen. Zumal ihre Mutter Susi am Montag in Pyeongchang eintraf, die als erfolgreiche Mountainbikerin einst unter dem Motto »Sieg oder Sarg« die Berge hinabraste – den unbedingten Siegeswillen hat sie an die Tochter weitergegeben.

Olympisches Gesprächsthema Nummer eins waren am Montag der starke Wind und die Temperaturen von bis zu minus 25 Grad. Ein Abfahrtslauf der Frauen wurde abgesagt, der Slopestyle-Wettbewerb der Snowboarderinnen ausgetragen. Jamie Anderson aus den USA verteidigte ihren Titel, Silvia Mittermüller aus Unterhaching wurde von einer Böe erwischt und zog sich beim Landen einen Meniskuseinriss zu. Die viertplazierte Norwegerin Silje Norendal erklärte unter Tränen: »Ich hatte Angst um mein Leben«. Die Sicherheit der Athleten sei die »oberste Priorität«, erklärte der Skiweltverband FIS und nannte die Bedingungen regulär. Stefan Knirsch, Sportdirektor von Snowboard Germany, plädierte für die Einführung von »Windmessungen oder Ampelanlagen am Start«.

Zur Frage, ob die Russen bei der Abschlussfeier in die olympische Familie zurückkehren werden, mochte sich IOC-Chef Thomas Bach am Montag noch nicht näher äußern. »Das ist zu früh, es zu sagen«, meinte er. Für die »olympischen Athleten aus Russland« gilt im Verlauf der Spiele ein strenger Verhaltenskodex. Am Montag gewannen sie ihre zweite Medaille (Silber im Eiskunstlauf-Teamwettbewerb). Erfreut äußerte sich Bach darüber, dass Nordkoreas Cheerleader-Gruppe südkoreanische Shorttrack-Athleten bejubelte: »Sport kann keinen Frieden schaffen«, meinte der IOC-Boss, »aber Brücken bauen, Türen öffnen.«

Den überragenden Olympiastart der deutschen Biathleten komplettierte am Montag der deutsche Sprintweltmeister Benedikt Doll, der nach 12,5 Kilometern Dritter hinter dem überragenden Franzosen Martin Fourcade und dem Schweden Sebastian Samuelsson wurde. »Es ist schon sehr hart für den Körper«, meinte der Schwarzwälder nach dem Rennen. »Ich hoffe, ich werde nicht krank. Aber jetzt freue ich mich erst mal über die Medaille.«


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