Aus: Ausgabe vom 13.02.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Krise bei Kaufhof geht weiter

Immerhin: Verkauf an Karstadt-Eigentümer René Benko bleibt Beschäftigten erspart. Doch von ihnen wird Lohnverzicht verlangt

Von Gudrun Giese
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Was wohl aus Galeria Kaufhof wird, wenn das Management die Kette weiter herunterwirtschaftet?

Immerhin eine Sorge sind die – derzeit noch – rund 21.000 Beschäftigten der Warenhauskette Galeria Kaufhof los: Der Verkauf an die österreichische Signa-Holding des Immobilieninvestors und Karstadt-Eigentümers René Benko ist vom Tisch. Der berüchtigte Sanierer hätte möglicherweise Karstadt und Kaufhof zur Warenhaus AG fusioniert – und zahlreiche Häuser geschlossen. Die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), seit 2015 im Besitz von Kaufhof, wies nach gründlicher Prüfung die Offerte als zu niedrig zurück und äußerte zudem Zweifel an der Finanzierung des Geschäfts durch Signa. Benko hatte im vergangenen November insgesamt drei Milliarden Euro für Kaufhof geboten – den Löwenanteil von 2,63 Milliarden allein für die 59 Warenhausimmobilien, die im Besitz von HBC sind.

Große Sorgen bereitet den Angestellten, ihren Betriebsräten und der zuständigen Gewerkschaft Verdi allerdings die Geschäftspolitik von HBC bei Kaufhof: Waren die im Herbst 2015 übernommenen 135 Filialen in Deutschland und Belgien wirtschaftlich noch kerngesund, so laufen die Geschäfte inzwischen schlecht. Umsatzrückgänge sind laut Management überall zu verzeichnen. Von den Beschäftigten fordern die HBC-Verantwortlichen in Deutschland seit Oktober 2017 erhebliche Beiträge zur Kostensenkung in Gestalt eines Tarifvertrages zur Beschäftigungssicherung, was konkret auf Lohnverzicht hinausläuft. Außerdem wurde nun der Abbau von 400 der 1.600 Stellen in der Kölner Zentrale angekündigt. Laut einem vergangene Woche veröffentlichten Bericht von www.lebensmittelzeitung. net sollen die Stellen bis Anfang 2020 durch natürliche Fluktuation sowie Abfindungszahlungen für freiwillig Ausscheidende, aber ohne betriebsbedingte Kündigungen wegfallen.

Gegenüber dem Branchenblatt Textilwirtschaft kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am vergangenen Mittwoch das »Sparkonzept« für Kaufhof von HBC: »Die Sanierung eines Unternehmens ist nicht durch pure Kostensenkung auf Kosten der Beschäftigten zu erreichen.« Überdies seien mittlerweile bereits mehr als 1.200 Stellen in den Kaufhof-Filialen abgebaut worden. Der Chef der deutschen Kaufhof-Filialen, Roland Neuwald, warnte, dass noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr wären, sollte die Gewerkschaft nicht zu Zugeständnissen bei Lohnhöhe, Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereit sein.

Unterdessen hat sich Anfang Februar die Verdi-Bundestarifkommission für Galeria Kaufhof konstituiert, der 31 Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet angehören. Sie verlangen eine sachliche Untersuchung der wirtschaftlichen Lage und der Zukunftsperspektiven von Galeria Kaufhof, bevor über die Aufnahme von Verhandlungen über einen Standort- und Beschäftigungssicherungstarifvertrag entschieden wird. Ein Wirtschaftsprüfer soll unter anderem die finanzielle Ausgangssituation nach der Übernahme des Warenhauskonzerns durch HBC vom Vorbesitzer Metro sowie die Verflechtungen mit dem kanadischen Unternehmen unter die Lupe nehmen. Denn bald nach dem Erwerb von Kaufhof trennte HBC die 59 erworbenen Immobilien gesellschaftsrechtlich vom operativen Geschäft. Seitdem müssen die Warenhausfilialen stetig steigende Mieten erwirtschaften sowie Instandhaltungs- und Versicherungskosten aus dem laufenden Geschäft finanzieren.

In einem aktuellen Informationsschreiben an die Beschäftigten stellte Verdi klar, dass Kaufhof erst seine Pläne transparent machen müsse, bevor über die nächsten Schritte beraten werde. »Ziel ist es, möglichst ein gemeinsam akzeptiertes Zukunftskonzept zu entwickeln, das tragfähig ist.« Vor allem erwarten die Mitglieder der Tarifkommission vom Unternehmer plausible Ideen, wie künftig die Umsätze und Kundenfrequenzen in den Filialen gesteigert werden sollen. Hier sollte das Management als erstes mit neuen Ideen ansetzen und nicht immer nur auf »Sanierungsbeiträge der Beschäftigten« bestehen, so die Verdi-Tarif­kommission.


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  • Andreas Forberg: Zeit der Kaufhäuser vorbei War der Kaufhof 2015 wirklich noch kerngesund? Bitte recherchieren Sie etwas gründlicher. Der Umsatz ist kontinuierlich jahrelang gesunken. Die Margen wurden geringer, und die Gewinne aus den Umsätzen...

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