Aus: Ausgabe vom 13.02.2018, Seite 11 / Feuilleton

Ende im Schacht

Von Wiglaf Droste
5925716085_041115de94_o.jpg

Wenn man Distanzierungs- und Abgrenzungsformulierungen wie »Ende Gelände«, »Schluss im Bus«, »Schicht im Schacht« oder »Aus die Maus« zum erstenmal hört, kann man ihnen vielleicht ein bisschen etwas abgewinnen; spätestens bei der zehnten Wiederholung aber fangen sie an zu riechen, nach Penetranz und Zwanghaftigkeit, und jedem, der sie unbeirrbar, unreflektiert und vollgummihaft weiter in den Mund nimmt, möchte man ein »Finito Pepito« entgegenschleudern, denn Finito Pepito hat immerhin Melodie, Rhythmus und Klang.

Oder man variiert das Phrasenarsenal und gebietet gestreng: »Ende im Bus«, »Aus die Schicht«, »Schluss im Gelände« und »Maus im Schacht«. Das könnte in der einen oder dem anderen, der nicht nur selbst permanent sendet, sondern auch noch empfängt, Zweifel und leichte Irritation auslösen, und das sind nun einmal, gemeinsam mit der präzisen optischen wie akustischen Beobachtung, die Geburtshelfer des Gedankens.

Den Gebrauch konfektionierter Sprache zu verweigern oder ihn zu ironisieren ist noch kein Akt des Widerstandes; es ist eher ein Sich-selber-Kneifen, um wach zu bleiben, auf dass man nicht die sprachliche Langeweile und Armut, die ja der dinglichen entspricht, am Ende sogar für richtig, für gut oder, so richtig blöd, für »ganz normal« ansieht.

Wenn Schluss und Ende der Schicht nicht im Schacht, sondern im Gelände stattfinden, dann beißt die Maus keinen Faden mehr ab und erst recht keinen Bus. Over and out.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Feuilleton