Aus: Ausgabe vom 13.02.2018, Seite 8 / Ansichten

Antieinsamkeitskommando des Tages: Die »Groko«

Von Jana Frielinghaus
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Den Einsamen helfen: Annette Widmann-Mauz

Seit Montag ist klar, dass Union und SPD bei einer Neuauflage ihres Regierungsbündnisses das Übel an der Wurzel packen werden. Die »Groko« wird nämlich gegen die »Vereinsamung in der Gesellschaft« vorgehen. Darüber informierte die CDU-Politikerin Annette Widmann-Mauz das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das Netz familiärer Bindungen sei nicht mehr so »engmaschig« wie früher, beklagte die Chefin der Frauen-Union, die derzeit für ein Ministerinnenamt im gefühlt 27. Kabinett Merkel gehandelt wird. Die Menschen lebten in weiter Entfernung zueinander und verbrächten immer mehr Zeit im Internet, teilte sie mit.

Dass die räumlichen Entfernungen etwas mit der omnipräsenten Forderung des tonangebenden Personals aus Wirtschaft und Politik nach Flexibilität zu tun haben, interessiert die herrschenden Parteien offenbar kaum. Dabei ist es eine Binsenweisheit: Wer lange Arbeitswege hat, kann weniger als andere Freundschaften pflegen und sich um ältere Angehörige kümmern. Und immer mehr Menschen nehmen beschissene Jobs in weiter Entfernung an, weil sonst Hartz IV droht – und damit Armut, die bekanntlich noch einsamer macht. Denn wer kein Geld hat, schützt bei Einladungen zu geselligen Kneipenabenden, Theater- oder Kinobesuchen Müdigkeit und Unwohlsein vor, um sich keine Blöße zu geben.

Die »Groko« wird es nun richten: Sie will die Schaffung von Senioren- und Mehrgenerationen-WGs fördern, hat Widmann-Mauz angekündigt. Das wird helfen. Zumindest denen, die sich die Miete oder den Eigenanteil am Bauprojekt leisten können. Die Idee dürfte übrigens abekupfert sein. Theresa Mays Regierung hat in Großbritannien schon mal vorgelegt – und Mitte Januar ein eigenes »Ministerium für Einsamkeit« (es heißt so, nicht etwa »gegen«) geschaffen. Erste Ressortchefin ist Tracey Crouch aus Mays konservativer Partei.


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