Aus: Ausgabe vom 07.02.2018, Seite 16 / Sport

»Wir haben richtig Bock«

Heute startet in Berlin die Hallenhockey-WM. Das Spektakel reizt selbst Nationalspieler, die sonst Kunstrasen bevorzugen

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Gibt sein internationales Debüt in der Halle: Weltklassespieler Mats Grambusch

Hallenhockey bekommt normalerweise wenig Beachtung geschenkt – auch von den Nationalspielern. Doch die Weltmeisterschaft ab Mittwoch in der Berliner Max-Schmeling-Halle (7. bis 11. Februar) lockt alleine sechs olympische Bronzemedaillengewinner von Rio 2016 zur Mannschaft des Deutschen Hockey-Bundes (DHB). So verfügen die Gastgeber über ein Team mit viel internationaler Erfahrung – doch nicht unterm Hallendach. »Die Hälfte der Jungs hat kein internationales Indoorspiel vorzuweisen«, sagte Bundestrainer Stefan Kermas. Denn die Paradedisziplin ist und bleibt Feldhockey. Terminkollisionen mit der priorisierten Kunstrasenvariante sind der häufigste Grund für die Abwesenheit von Nationalspielern bei internationalen Hallenveranstaltungen. Deutsche Mannschaften wurden deswegen in der Vergangenheit oft – und meist auch erfolgreich – mit Bundesligaspielern aufgestockt, die durch gute Leistungen während der Saison aufgefallen waren.

Das bevorstehende WM-Spektakel in der eigenen Hauptstadt aber reizte auch die etablierte deutsche Hockey-Elite. »Wir haben alle richtig Bock auf ein Endspiel vor ausverkaufter Halle«, sagte Mats Grambusch zur Motivation. Wegen seiner Leistungen auf dem Feld war das Ausnahmetalent am Montag abend sogar ein Kandidat für die Wahl zum Welthockeyspieler – sein internationales Debüt in der Halle gibt er aber erst bei der WM. Kermas erhofft sich »eine Vorfreude auf etwas, das die meisten von den Jungs bisher noch nicht erlebt haben«. Die Erwartungshaltung an deutsche Teams bei solchen Turnieren ist grundsätzlich hoch. Denn im Gegensatz zu anderen Nationen hat Hallenhockey in Deutschland eine lange Tradition. Die männliche DHB-Auswahl gewann bis auf eine Ausnahme (2015) jedes dieser seit 2003 ausgetragenen WM-Turniere. In Berlin soll der fünfte Triumph folgen.

Die DHB-Frauen kämpfen gleichzeitig um ihren dritten Titel. Ihre Situation bei der Doppel-WM ist die gleiche wie die ihrer männlichen Kollegen: Die Teams müssen sich innerhalb kürzester Zeit zusammenfinden. Denn aufgrund der Bundesligasaison, die erst am Sonntag mit der Deutschen Meisterschaft in Stuttgart endete, ist nicht nur die Belastung der Aktiven immens, sondern auch die Vorbereitung kurz. Dennoch gibt sich Grambusch zuversichtlich. »Wir sind individuell auf einem wahnsinnig guten Level, da ist die deutsche Liga anderen Ländern überlegen, das ist unser Vorteil«, meinte der Kapitän von Bundesligist Rot-Weiß Köln: »Wir sind so kurz nach der DM auf einem hohen Niveau.«

Auf dieses Fundament können die DHB-Männer bauen. Um als Mannschaft zu funktionieren, müssen ein Drei-Tage-Lehrgang im Januar und zwei weitere Testspiele am Montag und Dienstag gegen den frischgekürten Halleneuropameister Österreich und den EM-Zweiten Belgien ausreichen. Während die beiden Vorbereitungsgegner nach der EM Mitte Januar jetzt auf eingespielte Mannschaften setzen – Deutschland hatte mit einem »Perspektivteam« Bronze erkämpft – schickt Titelverteidiger Niederlande ein sogenanntes Expertenteam nach Berlin, das überwiegend aus talentierten Spielern besteht, die kurz vor dem Sprung in die Nationalmannschaft stehen. Um mit der starken Konkurrenz mithalten zu können, »müssen wir uns in den ersten Spielen zusammenfinden. Gerade weil es im Hallenhockey darauf ankommt, wie man als Team funktioniert«, glaubt Grambusch. Wenn sich alle zugunsten der Mannschaft zurücknähmen, »dann kann das richtig gut werden.« (sid/jW)


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