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Droste

Der Pirat ohne Holzbein (15)

Für Guy

Der Pirat hatte das größte und beste Beiboot zu Wasser gelassen; man konnte sogar ein Segel setzen, und es war reichlich Platz für zwei Männer und einen Jungen. Guy hatte den Proviant an Bord geschleppt, und der Smutje, umsichtig und erfahren, wie er war, brachte Laternen und einen Korb mit Wein, Gläsern, Tellern, Besteck, einen Topf, eine Pfanne und vor allem einen kleinen Kocher mit.

Auch der Pirat kam nicht mit leeren Händen, er trug drei Angeln und zwei dicke Packen mit sich, die Gesamtausgaben von Peter Hacks und Joachim Ringelnatz. »Das wäre doch zu schade gewesen für das Meer oder für die Analphabeten«, raunzte er. »Die Nächte werden lang sein, Frauen sind keine da, also werde ich euch ein bisschen was vorlesen. Aber keine Bange; wenn der Wind uns weiter günstig ist, haben wir das in drei Tagen und Nächten hinter uns.«

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Sie hatten Glück; der Orkan kam nicht zurück. Sie fingen Fische, die der Smutje garte, und der andere Proviant machte ihr Beibootessen zu einem Menü. Der Smutje, der seinen Namen preisgegeben hatte – er hieß Finnz – haute raus, was ging: Fisch so frisch, wie ihn kein Mensch am Land bekam, dazu immer ein gutes Gemüse. »Kein Skorbut!« rief er und lachte. Nach dem Essen ruhten sie, furzten fröhlich um die Wette, und dann las der Pirat mit seiner tiefen Sitimme über das Wunderland im Strumpfenband, die Schönheit der Blumen und der Frauen und die Sehnsucht.

Guy war glücklich; so etwas hatte er noch nie erlebt. Während er langsam in den Schlaf dämmerte, hörte er noch, wie der Pirat und der Smutje sich über das Leben, die Frauen und jedwede Ideen, die Welt zu bereichern, austauschten.

»Die hatte einen Vorbau, das glaubst du nicht. Die dürren Schrippen kannst du alle vergessen«, hörte er den Smutje schwärmen, wusste aber nicht, was das bedeutete, schlief ein und träumte vom Meer und den Sternen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.01.2018, Seite 11, Feuilleton

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