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Aus: Ausgabe vom 30.12.2017, Seite 10 / Feuilleton
Droste

Der Pirat ohne Holzbein (12)

Von Wiglaf Droste

Für Guy

Guy und der Smutje standen in der Kombüse; Hühnchen, Kartoffelstampf, Gurkensalat und die am frühen Morgen auf dem Weg zum Schiff von einem einlaufenden Fischkutter geholten Garnelen sollte es geben.

»Man muss die Jungs auch mal verwöhnen«, hatte der Pirat zu Guy gesagt, der mit dem Gurkenschäler so geschickt hantierte, als hätte er niemals etwas anderes getan.

»Jungs sind das nicht«, sagte Guy zum Koch, und das entsprach der Wahrheit. »Das sind doch wilde Kerle und Wüstlinge.«

»Das wollen wir aber auch hoffen«, gab der zurück und wandte sich einem Sack Kartoffeln zu. »Das müssen sie ja sein als Illegale.«

»Was ist illegal?« fragte Guy.

Der Koch sah ihn so ernst an wie noch nie zuvor. »Wir sind hier bei Piraten. Das sind freie Männer, aber für viele sind sie nichts als Gesetzlose. Wenn die Soldaten sie fangen, dann hängen sie die ganze Crew vor Publikum am Halse auf.«

Guy starrte ihn an; zum ersten Mal an Bord dieses Schiffes hatte er schreckliche Angst.

Dem Koch entging das nicht. Sein Ton wurde mild und ruhig. »Dir tun sie nichts, Söhnchen. Wenn du willst, lasse ich dich im nächsten Hafen in ein Schiff nach Hause setzen. Und einen guten Lohn wirst du auch bekommen. Aber jetzt müssen wir hier erst mal weiterkochen; es gibt doch wenig Schöneres für einen Mann, als mit einer Hühnerkeule in der Hand an der Reling zu stehen und sich anschließend den Bauch noch so richtig vollschlagen zu können.«

So hielten sie es, kochten wie die Teufel und machten die Seeleute satt und zufrieden.

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