Aus: Ausgabe vom 15.11.2017, Seite 15 / Antifa

Die Zeit, in der Silvio Meier starb

Veranstaltungsreihe zum 25. Todestag des Berliner Antifaschisten und den Ereignissen von 1992

Von Sandra Schönlebe
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Bis zu 5.000 Menschen nahmen vor fünf Jahren an der Gedenkdemo zum 20. Todestag Silvio Meiers teil

Neben der traditionellen Berliner Demonstration zum Gedenken an Silvio Meier erinnert in diesem Jahr eine Veranstaltungsreihe zu dessen 25. Todestag an den Berliner Antifaschisten und Hausbesetzer, aber auch an die politischen Fragen seiner Zeit und Parallelen zu heute. Am 21. November 1992 war der damals 27jährige nicht zum ersten Mal mit rechter Gewalt konfrontiert. Anders als fünf Jahre zuvor, als Neofaschisten unter den Augen der DDR-Volkspolizei ein von ihm organisiertes Konzert in der Zionskirche gestürmt hatten, überlebte Silvio Meier den Angriff an jenem Tag nicht. Die Messerattacke im linksalternativen Stadtteil Friedrichshain wurde im Strafprozess 1993 als Totschlag gewertet, der 17jährige Haupttäter erhielt eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren – bei einer Verurteilung wegen Mordes hätten ihm zehn Jahre Gefängnis gedroht.

Bereits ein Jahr nach seinem Tod organisierte Silvio Meiers Umfeld eine Gedenkdemonstration. Heute ist sie eine feste Tradition der radikalen Linken Berlins geworden und findet am 25. November 2017 zum 25. Mal statt. Angesichts der Verschiebung des politischen Diskurses nach rechts und dem wie zu Lebzeiten Silvio Meiers erstarkenden Nationalismus will das Antifabündnis »Damals – Heute – Morgen« die Erinnerung wachhalten, ohne sie in Personenkult abgleiten zu lassen, die Ereignisse von 1992 breiter thematisieren und eine Brücke in die Gegenwart schlagen.

Mit Lesungen, Vorträgen und Filmvorführungen sollen Rebellion und Freiräume in der Zeit der untergehenden DDR und die antifaschistische Gegenbewegung zum auflodernden Nationalismus der »Nachwendezeit« greifbar werden. Am 19. November lädt das Bündnis zu einem Kiezspaziergang unter dem Titel »Hippies, Punks & Bürgerrechtler. Mythen und Stereotype der Revolution von 1989« nach Friedrichshain ein.

Nach den Schwierigkeiten bei der Umbenennung der heutigen Silvio-Meier-Straße 2013 hat auch die offizielle Politik ihre Berührungsängste mit dem Namensgeber verloren. So verleihen die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am 21. November einen nach ihm benannten Preis für politisches Engagement zum zweiten Mal. Ausgezeichnet werden in diesem Jahr die Initiative »Aufstehen gegen Rassismus«, die Rhetorikschulungen gegen Intoleranz anbietet, und Edeltraut Pohl, die sich für die Belange Geflüchteter einsetzt.

Bei der zuvor stattfindenden Mahnwache am Ort des Angriffs, dem U-Bahnhof Samariterstraße, werden Antifaschisten und Wegbegleiter Silvio Meiers zusammenkommen, Blumen an der – regelmäßig beschmierten – Gedenktafel ablegen und Redebeiträge verlesen.

Veranstaltungsreihe: »Damals – Heute – Morgen« – damalsheutemorgen.noblogs.org

Mahnwache: 21. November, 17 Uhr, U-Bhf. Samariterstraße

Silvio-Meier-Preisverleihung: 21. November, 18:30 Uhr, Jugend[widerstands]museum, Rigaer Straße 9/10

Demonstration: 25. November, 17 Uhr, U-Bhf. Samariterstraße

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