Aus: Ausgabe vom 15.11.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Volkswagen mit Elektroantrieb aus Zwickau

Insider: Konzern will Montage wahrscheinlich in Sachsen bündeln. Vorerst keine Batterieproduktion

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Der Zukunft zugewandt? VW-Werk in Zwickau soll Elektroautoherstellung des Konzerns übernehmen

Die Volkswagen AG wird die Bauaktivitäten für Elektroautos wahrscheinlich in Sachsen konzentrieren. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfuhr, soll der Aufsichtsrat am Freitag Investitionen in das VW-Werk in Zwickau genehmigen, damit dort ab 2019 batteriebetriebene Fahrzeuge mehrerer Konzernmarken vom Band rollen können. »Es geht in diese Richtung«, sagte eine mit den Beratungen vertraute Person. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte sich bereits für eine Bündelung der Produktion von Elektroautos ausgesprochen.

Um in Zwickau dafür Platz zu schaffen, könnte die Fabrikation der dort vom Band rollenden VW-Modelle »Passat« und »Golf« in die Werke Emden und Wolfsburg verlagert werden, die wegen der gesunkenen Nachfrage nach beiden Fahrzeugen kaum ausgelastet sind. Vorteil einer solchen Lösung wäre nach Meinung von Konzernkennern, dass Niedersachsen als Stammland des Autobauers keinen Nachteil durch die Vergabe der Aufträge für Elektroautos nach Sachsen hätte.

Dem Insider zufolge werden Investitionen in die Elektromobilität Schwerpunkt der alljährlich im Herbst stattfindenden Planungsrunde des Aufsichtsrats sein. »Da werden jetzt die Grundsteine gelegt. Wo startet man, wann und womit?« Zwickau sei nur ein Standort. »Wir müssen auch in China entscheiden, wir müssen für die USA entscheiden und so weiter«, sagte der Eingeweihte der Agentur. Schon länger ist bekannt, dass VW die Investitionen in die Elektromobilität bis zum Jahr 2030 auf mehr als 20 Milliarden Euro verdoppeln will. Bis 2025 sollen die Konzernmarken 50 rein batteriebetriebene Fahrzeuge und 30 Plug-in-Hybride auf den Markt bringen.

Um den Bedarf an Batteriezellen zu decken, hatte der Konzern unlängst ein Beschaffungsvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro angekündigt – eines der größten in der Geschichte der Industrie. Über den Bau einer eigenen Fabrik zur AkkuhHerstellung wird der Aufsichtsrat jedoch nicht entscheiden. Volkswagen erforscht derzeit die Fertigung von Zellen zur Energiespeicherung und -umwandlung im Motorenwerk Salzgitter.

Weltweit gilt die Fertigung von leistungsfähigen Batterien neben der Schaffung einer entsprechenden Infrastuktur von Ladestationen als größtes Problem bei der politisch priorisierten E-Mobil-»Revolution«. Dafür wird enorm viel Geld ausgegeben, werden mancherlei Gerüchte lanciert. Der Durchbruch für eine kostengünstige, nicht zu schwere, schnell aufladbare Batterie mit langer Lebensdauer und hoher Leistung scheint noch keinem Hersteller gelungen. (Reuters/jW)

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