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12.08.2017, 12:46:32 / Ausland

Trump droht Caracas

US-Präsident bringt »militärische Option« ins Spiel: »Wir haben Soldaten überall – und Venezuela ist nicht weit weg«

Von Modaira Rubio, Caracas
Imperialisten sollen draußen bleiben: Grafitti in Caracas
Imperialisten sollen draußen bleiben: Grafitti in Caracas

Nach seinen Muskelspielen gegen Nordkorea hat US-Präsident Donald Trump am Freitag (Ortszeit) in seinem Golfclub Bedminster in New Jersey auch Venezuela mit einer militärischen Aggression gedroht. Vor Journalisten sagte der Staatschef nach einem Treffen mit US-Außenminister Rex Tillerson, Sicherheitsberater H.R. McMaster und der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, ein militärisches Vorgehen gegen Caracas sei nicht ausgeschlossen: »Wir haben viele Möglichkeiten, mit Venezuela umzugehen, einschließlich einer möglichen militärischen Option, wenn es nötig ist. Wir haben Truppen überall auf der Welt, an sehr weit entfernten Orten. Venezuela ist nicht sehr weit weg.«

In Caracas ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino López erklärte, er wolle zwar auf die offizielle Stellungnahme des Außenministeriums warten. Als General und als Venezolaner könne er die Äußerungen Trumps jedoch nur als »irrsinnig« bezeichnen. »Das ist ein Akt des Wahnsinns, eine Tat des äußersten Extremismus.« Informationsminister Ernesto Villegas rief die Völker Lateinamerikas zur Solidarität auf, um eine Intervention der USA zu verhindern, die den Frieden auf dem gesamten Kontinent gefährden würde. Das Außenministerium rief für den heutigen Samstag das gesamte in Venezuela akkreditierte diplomatische Korps zusammen, um auf die Äußerungen Trumps zu antworten.

Zuvor schon hatte das russische Außenministerium in einer Stellungnahme erklärt, dass die internationale Gemeinschaft zu einer friedlichen Lösung der Krise in Venezuela durch »die Wiederherstellung einer Atmosphäre des Vertrauens und durch die Wiederaufnahme eines direkten Dialogs zwischen den Konfliktparteien« beitragen solle. »Leider sehen wir häufig das Gegenteil davon«, hieß es aus Moskau weiter.

In Lima ordnete Perus Staatschef Pedro Pablo Kuczynski am Freitag die Ausweisung des venezolanischen Botschafters Diego Molero Bellavia, dem letzten Verteidigungsminister Venezuelas unter Hugo Chávez, aus. Caracas protestierte gegen diese Entscheidung und erklärte Kuczynski zu einem »Feind des Heimatlandes von Simón Bolívar«. Man werde trotz der aggressiven Haltung der dortigen Regierung die Beziehungen mit dem peruanischen Volk weiter vertiefen.

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