Aus: Ausgabe vom 19.06.2017, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Großkapital entscheidet

Zu jW vom 13. Juni: »Husarenstück oder ­Stückwerk?«

Alle, die meinen, nicht das Großkapital, sondern der Bundestag entscheide über die Gesetze, die unsere Arbeit und unser Leben bestimmen, wurden mit der »handstreichartigen Aktion« zur Durchsetzung des »Gesetzes zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten in der Fleischindustrie« (GSA Fleisch) eines Besseren belehrt. Das Gesetz wurde geheimgehalten, bis es im Bundestag verabschiedet war. Selbst die meisten Abgeordneten wussten nicht, wofür sie da die Hand hoben. Karl Schiewerling und einige andere eingeweihte Abgeordnete sahen keinen anderen Weg als diese von Elmar Wigand beschriebene parlamentarische Guerillamethode, um sich vor dem Einfluss des Oligopols der Fleischindustrie zu schützen.

Benedikt Hopmann, per E-Mail

Erpresserisches Preisdumping

Zu jW vom 3./4. Juni: »Geschäftsmodell in ­Gefahr«

Der Artikel von Reinhard Lauterbach über den Streit zwischen Warschau und Brüssel hinsichtlich neuer Regulierungen des Straßengüterverkehrs bleibt leider an der Oberfläche. Der EU geht es ganz offensichtlich weniger um den Kampf gegen »Sozialdumping«. Vielmehr möchte man der zunehmenden politischen Kritik am ausufernden Lkw-Verkehr begegnen und das System insgesamt funktional halten. Denn die durch EU-Europa gehetzten, übermüdeten und schlecht bezahlten Lkw-Fahrer sind häufig Verursacher schwerer Verkehrsunfälle, die oft zu stundenlangen Sperrungen ganzer Autobahnabschnitte führen.

Beim Widerstand Polens gegen die neuen EU-Regulierungen geht es neben grundsätzlichen politischen Erwägungen sicherlich auch um die Erwerbsmöglichkeiten, die das Transportgewerbe im peripheren Modell des polnischen Kapitalismus bietet. Dennoch ist es unsinnig zu behaupten, das kleingewerblich organisierte, zur Selbstausbeutung neigende polnische Transportgewerbe sei maßgeblich vom »Profitstreben der Spediteure« gekennzeichnet und in ihm, wie Lauterbach es tut, gar die nationale »Bourgeoisie« zu verorten.

Das polnische Transportgewerbe wie das der gesamten EU leidet vielmehr unter dem erpresserischen Preisdumping der verladenden Konzerne. Speziell deutsche Unternehmen haben die Niedrigstlöhne in ihren inzwischen hochproduktiven polnischen Filialunternehmen wie auch die z. T. schlicht ergaunerten Steuerprivilegien zum Aufbau von transnationalen Produktions- und Handelsketten genutzt. Das hat ihre Profitmargen, aber auch das Güterverkehrsaufkommen drastisch gesteigert. Und die hohen Gewinne möchte man durch faire und volkswirtschaftliche ehrliche Transportpreise nicht gemindert sehen. Leider geht Herr Lauterbach auf diesen Zusammenhang nicht ein, wie überhaupt über das Wirken der deutschen Konzerne in Polen von ihm so gut wie nichts zu erfahren ist.

Richard Kallok, per E-Mail

Weltpolizist BRD

Zu jW vom 10./11. Juni: »Ein Heer ausheben«

(…) Was können wir selbst tun? Vor Jahren beim Ostermarsch sagte uns ein Standortkommandant vor seiner Kaserne sinngemäß: Die Bundeswehr ist eine parlamentarische Armee, und der Bundestag entscheidet über unseren Einsatz. Wenn ihr keinen Krieg wollt, wählt einen anderen Bundestag.

Der Krieg kommt immer dorthin zurück, wo er angefangen hat. Die terroristischen Attentate in Europa mit vielen unschuldigen Opfern sind der Preis dafür. Wir dürfen aus Bequemlichkeit nicht die selbsternannten Weltpolizisten dulden. Dazu gehört seit der deutschen Einheit leider auch die BRD. Deshalb müssen wir von unseren Bundestagsabgeordneten andere Maßnahmen fordern, wie globale Sicherheitssysteme, vielfältige Mittel der Gewaltprävention, zivile Verteidigung, Friedensmediation und Rüstungskontrollen. Nur eine nachhaltige und solidarische Gesellschaft kann einen dauerhaften Frieden erreichen.

Stanislav Sedlacik, Weimar

Kritisch nachfragen

Zu jW vom 8. Juni: »Rojava: Aufbau im Krieg«

Eine kritische Anmerkung: Die Artikel zu Nordsyrien und den Kurdengebieten sind ausgesprochen unkritisch in der jungen Welt. Im Grunde wird einfach wiedergegeben, was von den Vertretern dort geäußert wird. Überschrift bei Euch: Das Privateigentum verschwindet allmählich! Donnerwetter! Das ist toll! Wie passiert das? Warum fragt keiner nach, wie man sich das vorzustellen hat, gibt es keine Konflikte, gibt es keine Opposition? Was ist mit der Integrität des syrischen Staats? Es scheint da ein Tabu zu geben, wirklich kritisch nachzufragen, das ist nicht gut! Und das wird uns vor die Füße fallen!

Here Klosterhuis, Berlin

Anleitung zum Kochen

Zu jW vom 3./4. Juni: »Forellen in Rahmsauce«

Ich weiß, es ist besserwisserisch, aber »Whiskey« schreibt man den Trank in Irland, in Schottland fehlt das E. Und: Man könnte im Rezept die Abläufe vermutlich etwas vereinfachen, wenn man die Butter in einer Kasserole verflüssigte und über die eingemehlten Forellen gösse.

Noch eine Anmerkung: Es ist gerade bei Fisch ein großer Unterschied, ob der Backofen auf 150 oder 220 Grad vorgeheizt ist. Leider fehlt hier eine Angabe. Ich würde den Backofen nicht sehr heiß erhitzen (sonst werden die Fische zu trocken, zumal relativ kleine wie Forellen), eher auf 150 bis 160 Grad, dafür aber die Sahne mit einem kleinen Glas (100 ml) Weißwein, Salz, weißem Pfeffer und etwas Estragon extern aufkochen und auf das halbe Volumen reduzieren, nach den erwähnten fünf (eher sogar zehn) Minuten über die Fische gießen und das Ganze den Rest der angegebenen Gesamtgarzeit vor sich hin schmurgeln lassen. Wird die Sahne kalt über den Fisch gegossen, wird sie allenfalls zum Abschluss des Garprozesses selber kochen; das aber führt mit großer Sicherheit dazu, dass die Sauce nicht hinreichend konzentriert ist.

Rainer Lesny, per E-Mail

Der Krieg kommt immer dorthin zurück, wo er angefangen hat. Die terroristischen Attentate in Europa mit vielen unschuldigen Opfern sind der Preis dafür.