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Droste

Love minus zero

Es gibt Freunde, es gibt Menschen, es gibt, und das ist ein eigener Planet, Kinder, und es gibt die Leute. Die Leute sind die, die genau das sind, was der Begriff sagt: die Leute eben. Einmal drauf g’schissen bittschön, mit Senf; naa, a Semmel dazu brauch i net, und sogar zum ihnen ordentlich eine reinsemmeln sind sie mir zu fad.

»Ich liebe dich«, sagt der Mensch und meint es genau so: mit aller Irrationalität, Wildheit, alles andere wegplättenden Wucht, Sanftmut und zärtlicher Leidenschaft (die mit dem Sexualitäterä genannten Körpergewürge zu tun haben kann, aber nicht muss), mit einem Gefühl, das dem All = Alles verbunden ist, dem Ganzen, dem Kosmos, und dann bekommt er zur Antwort: »Ich wünsche mir eine verantwortungsvolle Beziehung.« Da ist es mit dem schönen Schwebezustand zwischen Sein und Schein und Leben und Tagtraum erst mal Essig, und das ist nicht Balsamico.

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»Ich möchte eine verbindliche, gleichberechtigte Partnerschaft«, sagt eine der den Leuten zuzuschlagende Existenz, und wer nicht nur Ohren am Kopf, sondern auch noch etwas dazwischen hat, rennt – nicht aus Feigheit, sondern aus Mut. Wer sich in die Welt des konfektionierten Gelalles fügt, muss sich dann auch bitterlich beschweren; warum sollte man das tun, wenn man sich mit dem gleichen Aufwand an Zeit und Energie und dem Zustupf der Klugheit erleichtern kann?

Und dann sieht man sie, diese die Welt mit sich voll latschenden Alt-, Immerschon- und Neo-Spießer, verantwortungsvoll, verbindlich und rhetorisch gleichberechtigt und vollrohr partnerschaftlich, und ohne jedes Gefühl von Überlegenheit oder arroganter Weltbedauerung weiß, fühlt, riecht, schmeckt und atmet man: Wacker wie die Wackersteine sind die Leute, und ohne Liebe leben sie doch sehr anständig und respektabel.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.05.2017, Seite 11, Feuilleton

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