Aus: Ausgabe vom 11.05.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Startklar zum Autobahnklau

Allianz-Konzern kauft sich bei italienischem Straßenbetreiber und britischem Versorger ein

Von Ralf Wurzbacher
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Autobahn nahe Bologna: Die Allianz verdient demnächst mit an den Mauteinnahmen in Italien

Bei der Allianz steht der Champagner schon kalt. Wenn am Freitag nächster Woche der Bundestag mit der Regierungsmehrheit von Union und SPD per Grundgesetzänderung die Einrichtung einer privatrechtlichen Infrastrukturgesellschaft beschließt, knallen am Münchner Konzernsitz die Korken. Dann erhält Deutschlands größer Versicherer ab 2021 Zugriff auf das Autobahnnetz – so wie es Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) versprochen und eingefädelt hat (jW berichtete). Während der Finanzkonzern dem großen Reibach auf heimischem Asphalt noch entgegenfiebert, mischt er anderenorts bereits beim Fernstraßengeschäft mit.

Dieser Tage wurde publik, dass ein Konsortium unter Führung der Tochtergesellschaft Allianz Capital Partners (ACP) den Zuschlag für einen Fünf-Prozent-Anteil an der Betreibergesellschaft der italienischen Autobahnen, Autostrade per l’Italia, erhalten hat. Diese betreibt aktuell ein Streckennetz von über 3.000 Kilometern Länge, was etwa die Hälfte der landesweit mautpflichtigen Straßen ausmacht. Insgesamt will der bisherige Alleineigentümer Atlantia zehn Prozent an der Gesellschaft veräußern und den Erlös ins Auslandsgeschäft stecken. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) Ende April berichtete, hat Atlania die Fühler nach der spanischen Autobahngesellschaft Abertis ausgestreckt. Käme die Fusion zustande, entstünde einer der größten EU-Infrastrukturkonzerne mit einem Börsenwert von rund 36 Milliarden Euro.

Die Münchner könnten kräftig mitverdienen. Sie stemmen das Investment nicht allein, sondern gemeinsam mit dem französischen Energieriesen Électricité de France (EdF) sowie dem niederländischen DIF Infrastructure Fonds. ACP hält allerdings die Mehrheit von 74 Prozent an dem Verbund, was einem Wert von knapp 550 Millionen Euro entspricht. Die Autostrade investiert laut FAZ gerade 25 Milliarden Euro und baut damit etwa 1.100 Streckenkilometer aus. Im Vorjahr habe die Gesellschaft Mauteinnahmen von etwa 3,8 Milliarden Euro generiert, woraus ein operativer Gewinn von 2,4 Milliarden Euro erwachsen sein soll.

Das zeigt, wie profitabel das Geschäft mit Infrastrukturprojekten ist. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen rückt die Versicherungsbranche immer mehr von althergebrachten Anlageformen wie Staatsanleihen ab. Vergangene Woche hat die Allianz die Übernahme des britischen Wasserversorgers Affinity Water angekündigt. Auch hierfür hat sich der Konzern zwei Partner ins Boot geholt, zusammen legen sie 810 Millionen Euro für den 90-Prozent-Anteil hin. Auf die restlichen zehn Prozent, die von der französischen Veolia gehalten werden, sicherte sich das Konsortium eine Option. Bis Ende Mai soll der Deal unter Dach und Fach sein.

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