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Droste

Erdogan und die Nazis

Wenn führende Repräsentanten einer Kultur, zu deren Lieblingsbeleidigungen ein ödes »Mutterficker!« genauso gehört wie das immerhin etwas originellere »Sohn eines ungewaschenen Eselspimmels!« die Vertreter einer Gesellschaftsform, die in der Kunst der Beleidigung selten über »Arschloch!«, »Wichser!«, »Hurensohn!« oder »Schweinehund!« hinauskommt, als »Nazis!« beschimpft oder ihnen »Nazimethoden!« vorwirft, hat das die Relevanz eines Tamagotchi-Kläffens. Der größenwahnsinnige Kleingeist Erdogan, der Mühe hat, Folterbefehle und Todesurteile orthographisch richtig abzufassen, kann es einfach nicht besser; jede halbwegs lustige Invektive, wie sie Hergés Käpt’n Haddock en gros heraushaute, würde ihn und seinen Wortschatz aktiv wie passiv maßlos überfordern.

Dass Erdogan und seine Leute exakt so dumm sind, wie seine Geheimpolizei es ausdrücklich erlaubt, ändert nichts an der Flachköpfigkeit der hiesigen Führungskräfte; der Unterschied ist nur, dass man ihnen hierzulande etwas genauer auf die Finger sieht und auf die Wörter hört. Das ändert zwar noch nichts, aber in der deutschen Minimaldemokratie wird man für gewöhnlich nicht eingeknastet, wenn man sie kritisiert, veralbert oder verhohnepipelt. Das macht die westlichen Staatsformen etwas attraktiver als ihre Diktatorenkonkurrenz aus dem Süden und Osten, aber das Nonplusultra sind sie auch nicht. Einen beschränkten Präsidenten, der uneingeschränkte Macht anstrebt, braucht kein Mensch.

Eins ist Erdogan zu danken: Die inflationäre Verwendung der Bezeichnung »Nazi« für irgend jemanden, der irgendwem aus irgendwelchen Gründen nicht passt, gilt durch Erdogans Zu- und Rückgriff darauf jetzt auch bei schlichteren Gemütern als so peinlich einfallslos und fadenscheinig dummdreist, wie sie das immer war. AfDler sind oft Nazis, das ist wahr, aber die AfD ist nicht Deutschland, sondern nach eigener Defi­nition nur eine Alternative dafür.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.03.2017, Seite 11, Feuilleton

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