Aus: Ausgabe vom 21.02.2017, Seite 11 / Feuilleton

Film des Ostens

Dorothea Moritz wurde 1932 in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) geboren, studierte nach dem Krieg Schauspiel in Hamburg und hatte früh großen Erfolg in Inszenierungen von Gustaf Gründgens, Hans Schweikart oder Fritz Kortner. Daneben arbeitete sie am Kabarett, u. a. bei Friedrich Hollaender, und wirkte ab 1959 in Fernsehfilmen mit, beispielsweise in frühen Folgen der Krimireihe »Stahlnetz«.

In den 70er Jahren heiratete sie den US-amerikanischen Theologen und leidenschaftlichen Filmpublizisten Ron Holloway. Gemeinsam engagierten sich die beiden für den deutschen, aber auch den osteuropäischen Film, drehten etwa ein Filmporträt über den armenischen Regisseur Sergej Paradschanow. 1979 gründeten sie die englischsprachige Zeitschrift Kino – German Film, die auch DEFA-Produktionen Aufmerksamkeit schenkte. Mehrfach besuchte das Paar die Leipziger Dokumentarfilmwoche und berichtete darüber. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2009 führte Dorothea Holloway die Zeitschrift unter Selbstausbeutung bis zum 102. Heft weiter.

Auch als sie sich stärker der Publizistik zugewandt hatte, trat sie weiterhin in Filmen auf. Ein großer künstlerischer Erfolg war 1985 ihre Hauptrolle in Fredi M. Murers Bergdrama »Höhenfeuer«, das zum »besten Schweizer Film aller Zeiten« gewählt wurde. Auch bei der DEFA stand sie als Dorothea Moritz vor der Kamera. Ihre große Leidenschaft war aber die theoretische Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen filmischen Handschriften, wofür sie gemeinsam mit Ron Holloway vor zehn Jahren mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet wurde.

Wie jetzt bekanntwurde, ist Dorothea Moritz-Holloway am 3. Februar in Berlin gestorben. Mit ihr ist eine wichtige Stimme für den Film des Ostens verstummt.

(fbh)

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