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Aus: Ausgabe vom 17.09.2016, Seite 11 / Feuilleton

Unter der Sohle rot

Seit zwei Jahren ist Tim Renner nun Kulturstaatssekretär des Berliner SPD-Bürgermeisters. Mit der Kommerzialisierung seines Bereichs ist er in dieser Zeit gut vorangekommen, auch wenn die Ensembles von Volksbühne und Staatsballett sich noch eine Weile gegen ihnen zugeteilte Intendanten wehren werden. Sollten sich Künstler in seinem Machtbereich noch immer mit politischem Widerstand aufhalten, wird er sie bald persönlich für die Kreativwirtschaft fitspritzen. Pop-Events werden über das neue Germania kommen, und ihre Strahlkraft wird größer sein als die allen je subventionierten Spaßes.

»Man muss Berlin als internationalen Platz freiheitsliebender Menschen denken«, sagte der frühere Plattenboss (Universal Music) in der taz vom Freitag, die ihn auf einem riesigen Foto in seinem Büro zeigte, Füße lässig auf dem Tisch, ein rotes Ahornblatt in der Sohle signalisierte Markenbewusstsein.
Den Freunden des anstrengenden Sprechtheaters von Castorfs Volksbühne beschied Renner im Thatcher/Merkel-Sound: »Chris Dercon und sein Team sind alternativlos«, mochte dann aber auch nicht selbstgefällig wirken: »Im Fall Chris Dercon/Volksbühne zirkulierte der Gedanke, ihn zu installieren, viel zu früh öffentlich – mein Fehler.«

Hätte dieser lernfähige Ausverkäufer, wenn es nach der Wahl am Sonntag für eine Fortsetzung der SPD/CDU-Koalition nicht reichen sollte, etwas zu befürchten? Gegenluft von links vielleicht? Überhaupt nicht, ist er überzeugt. »Die Linke hat uns zuletzt positiv überrascht. Im Tagesspiegel hat der Berliner Parteivorsitzende Klaus Lederer Forderungen gestellt, die glatt von unseren kulturpolitischen Leitlinien abgeschrieben sein könnten.« In Renners Seilschaft zur Vermarktung hauptstädtischen Kulturlebens geht man ruhigen Blutes »davon aus, dass wir es erst recht mit Rot-Rot-Grün hinbekommen«.

(jW)

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