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Historiker Ernst Nolte gestorben

Der Historiker Ernst Nolte ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren nach kurzer Krankheit in einer Berliner Klinik. Das bestätigte seine Familie der dpa. Nolte galt als einer der wichtigsten, streitbarsten aber auch umstrittensten Historiker seiner Generation. Mit seinen in den 60er und 70er Jahren erschienenen phänomenologischen Forschungen zur Geschichte des Faschismus erwarb er sich zunächst hohes Ansehen, auch in linken Kreisen.

1986 löste er mit dem in der FAZ erschienenen Artikel »Vergangenheit, die nicht vergehen will« die als »Historikerstreit« bekannt gewordene heftige Debatte über die geschichtliche Einordnung des Faschismus und seiner Verbrechen aus. In dem Aufsatz vertrat er erstmals die These eines »kausalen Nexus« zwischen Holocaust und Verbrechen der Bolschewiki. Er schrieb: »War nicht der ›Archipel Gulag‹ ursprünglicher als Auschwitz? War nicht der ›Klassenmord‹ der Bolschewiki das logische und faktische Prius des ›Rassenmords‹ der Nationalsozialisten?«

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Intellektuelle wie der Philosoph Jürgen Habermas und Historiker wie Hans-Ulrich Wehler widersprachen heftig. Habermas warf Nolte und anderen Historikern historischen »Revisionismus« und die Verharmlosung des Holocausts vor. Die Debatte hielt monatelang an. Mehr als zehn Jahre später zog Wehler das Fazit, er kenne keinen Historiker, der Noltes Interpretationen in den wesentlichen Punkten recht gegeben habe. Nolte selbst fand sich später etwa in dem Bestseller »Blood­lands« des US-amerikanischen Historikers Timothy Snyder bestätigt. Er radikalisierte seine These in weiteren Veröffentlichungen und fand fast nur noch in rechtskonservativen Kreisen Gehör.

Nolte wurde 1923 im nord­rhein-westfälischen Witten geboren. Er promovierte in Freiburg über »Selbstentfremdung und Dialektik im deutschen Idealismus und bei Marx« (1952); seine Habilitationsschrift »Der Faschismus in seiner Epoche« (1963) ist noch heute ein Standardwerk. Nolte bekam einen Lehrauftrag für Neue Geschichte an der Universität Köln und später einen Lehrstuhl in Marburg. 1973 wechselte er an die Freie Universität Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung 1991 lehrte. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2016, Seite 10, Feuilleton

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