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Aus: Ausgabe vom 10.06.2016, Seite 10 / Feuilleton

BER 21

Von Dusan Deak

Nach langem Zaudern und Zögern werden »Stuttgart 21« und BER zusammengelegt. Finanzprüfer haben nachgezählt und festgestellt, dass den Bauherren von »Stuttgart 21« die Mittel ausgehen. Termine können nicht eingehalten werden. Trotzdem gilt »Stuttgart 21« als Erfolgsmodell und Beispiel schwäbischer Sparsamkeit. Im Vergleich zur Hamburger Philharmonie (70 Milliarden statt 70 Millionen) wurde bei Stuttgart gegeizt und lediglich das 500fache des Veranschlagten verbraucht. Damit wurden gefühlte 300 Milliarden Euro gespart.

Die Fusion beider Megaprojekte ergibt Sinn. Auf den Gebieten der Kostenersparnis und der Einhaltung von Fristen haben sich die BER-Macher einen Kompetenzvorsprung hart erarbeitet. Von der Fusion erwartet man deutliche Synergieeffekte.

Der Eröffnungstermin des Gigaprojektes unter dem Namen BER 21 wird aus Datenschutzgründen und wegen ärztlicher Schweigepflicht bis auf weiteres geheimgehalten.

Gebaut wird BER 21 gleichzeitig in Hannover, Burgwedel und Wernigerode, der Heimat von Hasseröder Pils, dem kürzlichen Sieger im Wettbewerb um den größten Glyphosat-Anteil im Bier.

Nach nicht veröffentlichten Bauplänen wird BER 21 wahlweise (abhängig von der saisonalen Auslastung) als unterirdischer Kopfflughafen, Durchgangswaffenlager für saudi-arabische U-Boote und Zentralaufnahmestelle für Luxemburger Steuerflüchtlinge genutzt. Ein kleiner separater Bereich bleibt der Aufzucht der bedrohten Juchtenkäfer vorbehalten.

Starten und Landen auf unterirdischen Landebahnen muss noch geübt und gegebenenfalls nachgeschult werden.

Das Bauvorhaben kann als Blaupause für künftige rot-rot-grün-schwarz-gelb-blaue Projekte dienen (sog. Jamaika/Ghana-Ampel im Schnee) und zum Beispiel bei der Suche nach dem geeigneten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten 2017 wertvolle Hilfe leisten.

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