jW berichtet anders: Jetzt am Kiosk!
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Aus: Ausgabe vom 09.06.2016, Seite 11 / Feuilleton

30 Jahre Trust

Das Trust, das Bremer Fachmagazin für die Befreiung vom musikalischen wie gesellschaftlichen Mainstream, wird 30. Damit ist es eines der ältesten Fanzines der Welt. Und zwar schon so alt, dass Herausgeber Dolf Hermannstädter im Editorial schreiben kann, dass es in den Anfangsjahren noch keine Computer gegeben habe, bzw: »gab es schon, aber wir hatten keine«.

Gegründet in Augsburg, erscheint das Heft seit 1998 in Bremen. Noch immer geht es in den Texten in verschiedenen Schriftgrößen neben einseitigen Fotos um Punk, Fußball, Skaten, ein bisschen Americana – Hauptsache, die Gitarre wird geschlagen wie der Klassenfeind. Oder windmühlenartig gezwirbelt wie früher von Pete Townshend. Vorne im Heft gibt es die (langen) Kolumnen, hinten die Reviews, mit der Garantie, dass alles, was zugeschickt wird, auch besprochen wird – von Autoren, die ihre Texte nur mit Vornamen zeichnen. So ähnlich wie früher im Arbeiterkampf in den 80ern. Das Trust hatte übrigens auch mal eine linksradikale Ausgründung, das Zap, das »Kampfblatt für das internationale Rotzlöffeltum«, das leider die 90er Jahre nicht überlebt hat.

Im Trust geht es oft angenehm lässig wie in der Stammkneipe zu. Ein Interview mit der Skate-Core-Band Scheisse Minnelli aus Frankfurt am Main, deren Musiker dort auch eine Siebdruckfirma betreiben, beginnt so: »Hey Sam, welcome to the Interview. Alles gut bei dir? Sam: Besser als in der Hose geschissen. Immer viel los, aber ich kann nicht motzen«. Zu den ideologischen Grundlagen des Heftes äußert sich en passant Kolumnist Jan: »Simone de Beauvoir und Bikini Kill? Toll. AC/DC aber auch. 70 Prozent PC ist vielleicht O. K. ...«

Werden einen diese Leute auch noch nach der Revolution beim Stagediving auffangen? Davon ist auszugehen. (jW)

Trust Nr. 178, Juni/Juli 2016, 3 Euro, www.trust-zine.de

30-Jahre-Party am 11.6. im Schlachthof Bremen mit Pascow, Lucky Malice und Decibelles, Beginn: 20 Uhr