-
10.02.2016
- → Feuilleton
Gaucks Nimbus
Man kann es schon lange nicht mehr hören, das Gerede über alles, was man angeblich »nicht den Rechten überlassen darf«; Hitler auf gar keinen Fall, denn von dem, was dieser Longseller finanziell und spirituell »erlöst«, möchten viele ihren Anteil abbekommen. Auf gar keinen Fall darf man den Rechtsradikalismus den Rechtsradikalen überlassen, das wäre verantwortungslos, vor allem, wenn sie gerade Aufwind, Oberwasser und medialen Auftrieb haben, da möchte man nicht beiseite stehen. Präsident Gauck verhängte das Dekret, man dürfe »die notwendige Debatte über Begrenzung nicht den Radikalen überlassen«, sondern müsse sie vielmehr »in die Mitte« holen. Freund Friedrich kommentierte kühl: »50 Shades of braun.«
Das gefiel mir ganz ausgezeichnet, und ich antwortete: Gauck ist der, der er immer war, was aber wegen seines zusammengeflunkerten Widerständlernimbus’ kaum jemand öffentlich zu sagen wagte. Ich plädiere für folgenden Handwerkerkalauer: »Gib mir mal den 13er Nimbus rüber, ich schraube das Ding jetzt ab.« Danach sollte Ruhe herrschen, aber nicht die Soldatenfriedhofs- und Verwesungsruhe, die Gauck entströmt, sondern die gute Ruhe der Vernunft.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!