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Tarzan. Größte Helden der Kulturgeschichte: Platz 7

Von Hagen Bonn

Von wegen, es sei ganz einfach, von Ast zu Ast zu schwingen und zufrieden auf das wohlgeordnete, weil natürliche, Urwalddasein herabzublicken. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen! Keine Zivilisation. Kein Uhrticken. Kein Chef. Keine Mahnungen oder verlorene Haustürschlüssel. Gut, Tarzan selbst kommt zwar im Naturzustand der Wildnis zur Welt, aber seine Eltern wurden nicht dort geboren. Sie wurden vom kriminellen Bodensatz einer meuternden Schiffsbande an den Gestaden Afrikas ausgesetzt. Dort starben sie auch bald und ließen den Weißhäutigen (äffisch: »Tarzan«) zurück. Der schwingt sich bald nicht nur von Baum zu Baum, sondern auch zum Chef über die Ureinwohner auf. Das schafft er mittels seiner »zivilisatorischen« Erbschaft: eine Kiste Bücher, ein Messer. Das ergibt in Summa einen messerscharfen Verstand. Doch bald, es musste ja so kommen, schlägt das Imperium zurück! Der westliche Raffzahn bringt ein neues Boot an den Strand und greift gierig in das Unterholz des schwülen Urwalds. Tarzan muss sich nun entscheiden. Eigentlich kein Problem! Wäre da nicht … diese Frau.

Jane hin oder her (was im Lianenschwung wörtlich zu nehmen ist): Tarzan von den Affen siegt über die bürgerlichen Bösewichter, das Gesunde über das Verderbte, sichert sich Jane und besucht sogar New York (Verderb-City). Wie das endet, wissen wir, Tarzan geht zurück in den Wald. Trotz Versprechen auf Riester-Rente! Oder deswegen? Übrigens, wir treffen hier schon wieder auf den Wald … wie bei Robin (Platz 10) und Rotkäppchen (Platz 9) …, der Wald scheint der eigentliche Held unserer Spezies zu sein. Oder ist es gar der Buchstabe »R«… so wie Rom? Noch so ein mythischer Ort, wo dann auch noch tausend Wege hinführen. Aber dazu mehr, wenn wir bald an gleicher Stelle den Helden auf Platz 6 würdigen, nein, ihm huldigen wollen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.01.2016, Seite 11, Feuilleton

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