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Aus: Ausgabe vom 02.11.2015, Seite 11 / Feuilleton

Langsam sein

Der Schriftsteller Rainald Goetz hat den Georg-Büchner-Preis erhalten. Dem 61 Jahre alten Autor wurde die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung am Samstag abend im Darmstädter Staatstheater verliehen. »Das Leben zerstört die innere Stimme. Nie war ich beim Schreiben so unsicher wie heute, das Ich ist ausgewandert«, sagte der Autor des Romans »Johann Holtrop« vor ausverkauftem Haus. Die Ehrung gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Goetz habe sich »mit einzigartiger Intensität zum Chronisten der Gegenwart und ihrer Kultur gemacht«, hieß es in der Begründung der Jury. Die Laudatio hielt Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der Preisträger befand: »Es hilft sehr, dass der Büchner-Preis im Namen eines Außenseiters vergeben wird.« Vor 32 Jahren hatte der in Berlin lebende Schriftsteller seinen Debütroman »Irre« veröffentlicht, in dem er über seine Zeit als Nervenarzt berichtete. Politisch eingreifen könnten Schriftsteller nicht, dafür seien sie mit ihrer Arbeit nicht schnell genug, meint Goetz: »Literatur stellt sich der Welt, aber langsam. Unendlich langsam.« Politik sei die Sache des Journalismus.

Hierzu passt, dass die Journalistin Gabriele Goettle, die im Rahmen der Verleihung den Johann-Heinrich-Merck-Preis erhalten sollte, die Gelegenheit zu einer politischen Intervention nutzte. Die 69jährige Goettle ließ sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen und mitteilen, sie könne kein Geld von einem Pharmaunternehmen annehmen. Sie kündigt an, das Geld werde sie daher an eine pharmakritische Initiative weiterleiten. Der Journalistenpreis wird wie der Büchner-Preis von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen, jedoch ausschließlich von dem in Darmstadt ansässigen Unternehmen Merck finanziert.

Außerdem geehrt wurde der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg. Er erhielt den ebenfalls mit 20.000 Euro datierten Sigmund-Freud-Preis. (dpa/jW)

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